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    <title>No-Mind-No-Trouble | Weblog (Artikel mit Tag Advaita)</title>
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    <description>Ganzheitliches Leben &amp; Bewusstsein</description>
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    <pubDate>Fri, 17 Jul 2009 19:27:37 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: No-Mind-No-Trouble | Weblog - Ganzheitliches Leben &amp; Bewusstsein</title>
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    <title>Buddhismus und Psychotherapie</title>
    <link>http://no-mind-no-trouble.vsud.de/archives/43-Buddhismus-und-Psychotherapie.html</link>
            <category>Advaita</category>
            <category>Buddhismus</category>
            <category>Religion &amp; Spiritualität</category>
            <category>Selbstergründung &amp; Psychotherapie</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Joe Boden)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p&gt;Vortrag von Oliver Petersen (Gelong Dschampa Tendsin)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
auf der Vesakh-Feier 1997 in Berlin&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Inhalt:&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;These&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Persönliche Erfahrungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Westliche Zugangsweisen zum Dharma&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Ursachen neurotischer Zugangsweisen im Westen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Dharma geht über Therapie hinaus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Ausblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Der Referent&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Literatur&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;strong&gt;These&lt;/strong&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;strong&gt;Sicherlich muss nicht&lt;br /&gt;
jeder Buddhist unbedingt eine Therapie machen, aber es erscheint mir&lt;br /&gt;
wichtig, dass jeder Einzelne versucht, seine höchst individuelle&lt;br /&gt;
Persönlichkeit unter den eigenen sozialen und kulturellen Bedingungen&lt;br /&gt;
zu erforschen, unter denen er nun einmal im Moment z.B. hier in&lt;br /&gt;
Deutschland bzw. dem Westen existiert. Ansonsten kann das Problem&lt;br /&gt;
auftreten, dass die mangelnde Erforschung der eigenen Persönlichkeit in&lt;br /&gt;
die Religionspraxis hineinwirkt und eine tiefere Erfahrung sowie&lt;br /&gt;
wirkliche Hingabe, z.B. in der Meditation, behindert und auch&lt;br /&gt;
entstellen kann.&lt;/strong&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;strong&gt;Mit anderen Worten: Die sogenannten&lt;br /&gt;
weltlichen Probleme müssen durchaus erst einmal ernst genommen werden,&lt;br /&gt;
da sonst die Gefahr der Selbsttäuschung besteht. Diese Täuschung kann&lt;br /&gt;
so aussehen, dass man eine Art „buddhistisches Ego“ entwickelt, obwohl&lt;br /&gt;
die Lehre des Buddhismus darauf zielt, dass man über eine egozentrische&lt;br /&gt;
Haltung bzw. eine sehr enge Vorste11ung von dem, was man als Person&lt;br /&gt;
ist, hinauskommt. Wird diese Täuschung vermieden, kann die Praxis des&lt;br /&gt;
Buddhismus sich voll entfalten und sogar weit über Ziele der Therapie&lt;br /&gt;
hinausführen.&lt;/strong&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Persönliche Erfahrungen&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die Grundthese&lt;br /&gt;
möchte ich nun auch anhand persönlicher Erfahrungen belegen, die mich&lt;br /&gt;
überhaupt motivieren, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Weshalb&lt;br /&gt;
ich mir zutraue, über dieses Thema zu sprechen, ist nicht, dass ich auf&lt;br /&gt;
irgend einem dieser Gebiete - weder dem des Buddhismus noch der&lt;br /&gt;
Psychotherapie – ein herausragender Experte bin, als vielmehr, dass ich&lt;br /&gt;
in das Spannungsfeld dieser beiden Traditionen hineingestellt bin. Ich&lt;br /&gt;
bin recht früh Buddhist geworden und hielt – ehrlich gesagt -&lt;br /&gt;
Psychotherapie zunächst für herzlich überflüssig, da ich mir ziemlich&lt;br /&gt;
sicher war, dass der Buddhismus und die großen Weltreligionen die&lt;br /&gt;
endgültige Ebene der Mystik und der Entwicklung des Geistes darstellen.&lt;br /&gt;
Ich betrachtete es deshalb nicht als notwendig, mich mit irgendwelchen&lt;br /&gt;
vorläufigen Formen der Geistesschulung zu beschäftigen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Auch&lt;br /&gt;
heute bin ich noch der Überzeugung, dass die alten, tiefen spirituellen&lt;br /&gt;
Traditionen der Menschheit, und dabei vor allem Indiens, unübertroffen&lt;br /&gt;
auf diesem Gebiet sind. Sie stammen aus einer Zeit, wo es mit großer&lt;br /&gt;
gesellschaftlicher Anerkennung verbunden war, wenn man sich der&lt;br /&gt;
Meditation hingab und den Geist auf einer sehr subtilen Ebene&lt;br /&gt;
erforschte. Die Menschen schienen damals auch noch sehr wenig Ablenkung&lt;br /&gt;
gehabt zu haben. So hat es tatsächlich Individuen gegeben, die ihr&lt;br /&gt;
ganzes Leben der Erforschung des Geistes widmeten - ähnlich wie sich&lt;br /&gt;
heute Naturwissenschaftler mit der Materie intensiv befassen – und so&lt;br /&gt;
zu Erfahrungen gelangten, mit denen wir uns meiner Meinung nach im&lt;br /&gt;
Moment nicht messen können. Sie haben diese Erfahrungen in logisch&lt;br /&gt;
präzisen Schriften niedergelegt, wie etwa im Buddhismus in der&lt;br /&gt;
sogenannten Abhidhamma-Literatur, in der die Psychologie dieser Lehre&lt;br /&gt;
enthalten ist. Vor allem aber hatten sie authentische meditative&lt;br /&gt;
Erfahrung, die nicht eine bloße philosophische Spekulation war. In&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht glaube ich, dass diese Epoche wirklich eine ganz&lt;br /&gt;
besondere Tradition darstellt, die es sich heute im Westen lohnt zu&lt;br /&gt;
studieren. Die westliche Psychotherapie und der Buddhismus sind&lt;br /&gt;
natürliche Gesprächspartner in dieser Zeit geistigen Vakuums. Beide&lt;br /&gt;
beschäftigen sich mit dem Leiden der Menschen und sehen den Schlüssel&lt;br /&gt;
zu dessen Überwindung im Geist.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die westliche Psychotherapie&lt;br /&gt;
ist allerdings recht jung und verfügt nicht über derartige Erfahrungen&lt;br /&gt;
sehr tiefer Ebenen des Geistes und über meditative Methoden, die durch&lt;br /&gt;
Generationen verifiziert wurden, wie die indische Tradition. Deshalb&lt;br /&gt;
fragen sich viele westliche Buddhisten: „Warum soll ich mich überhaupt&lt;br /&gt;
damit beschäftigen. Es geht ja doch nur um all diese unreinen,&lt;br /&gt;
unerfreulichen Ebenen des Geistes. Die lässt man doch am besten&lt;br /&gt;
beiseite und beschäftigt sich lieber mit den reinen, hohen Ebenen der&lt;br /&gt;
Meditation.“ Einige etwas unerfahrene Leute denken sogar, dass die&lt;br /&gt;
Therapie nur für „Verrückte“ gedacht ist, die mit dem Leben nicht&lt;br /&gt;
zurechtkommen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Für mich persönlich war es so, dass trotz&lt;br /&gt;
dieser anfänglichen Überzeugungen nach über 10 Jahren der Praxis des&lt;br /&gt;
Buddhismus bei mir Probleme auftraten, die ich dann mehr in der&lt;br /&gt;
Psychotherapie des Westens beschrieben fand als in den klassischen&lt;br /&gt;
Dharmatexten. Das hat mich schon nachdenklich gemacht und ich merkte,&lt;br /&gt;
dass ich allein mit der traditionellen Ausübung des Dharma diese&lt;br /&gt;
Schwierigkeiten nicht lösen konnte. Im Kopf war mir das ganze System&lt;br /&gt;
des Buddhismus bis hin zur Erleuchtung vollkommen klar. Ich hatte&lt;br /&gt;
sozusagen auf alles eine Antwort parat. Es gibt wenige Fragen, auf die&lt;br /&gt;
die buddhistische Philosophie nicht irgendwie antworten könnte. Diese&lt;br /&gt;
Tatsache bedeutet aber nicht, dass der Antwortende auch so sicher ist&lt;br /&gt;
bzw. voll realisiert hat, worüber er spricht und es im täglichen Leben&lt;br /&gt;
einbringt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Das Gegenteil kann der Fall sein. Ich zumindest war&lt;br /&gt;
- in einer bestimmten Phase - außerhalb dieser buddhistischen Maske&lt;br /&gt;
recht unsicher. Ich kann sogar sagen, dass ich gar nicht richtig mit&lt;br /&gt;
anderen Menschen in Kontakt war – wie man in der Gestalttherapie sagt.&lt;br /&gt;
Jedenfalls zeigte sich durch unmittelbare Erfahrungen, dass ich in&lt;br /&gt;
Krisensituationen nicht so stabil war, wie ich es mir nach vielen&lt;br /&gt;
Jahren buddhistischer Praxis vorgestellt hatte, Noch ausschlaggebender&lt;br /&gt;
für eine persönliche Wende wurde die Tatsache, dass mein Körper&lt;br /&gt;
rebellierte. Er zeigte einfach Störungen, die offenbar von einer Ebene&lt;br /&gt;
meines Wesens ausgelöst wurden, die ich mit rein rationalen Erwägungen&lt;br /&gt;
nicht beeinflussen konnte. Es traten Verspannungen, irrationale Ängste,&lt;br /&gt;
Verdauungs- und Schlafprobleme und Herzsymptome auf, die mich lähmten&lt;br /&gt;
und den Gang meiner gewollten Aktivitäten veränderten.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Diese&lt;br /&gt;
Vorgänge machten mir mit der Zeit bewusst, dass meine tieferen Probleme&lt;br /&gt;
durch diese lange Beschäftigung mit den Idealen des Buddhismus offenbar&lt;br /&gt;
nur überdeckt wurden. Aus meiner heutigen Sicht ist das nicht die&lt;br /&gt;
Schuld des Dharma, sondern meines damaligen Umgangs damit. Ich bin&lt;br /&gt;
heute dankbar dafür, da(3 es offenbar diese tiefere Weisheit im&lt;br /&gt;
unbewussten gibt, die in therapeutischen Zusammenhängen geschildert&lt;br /&gt;
wird, durch die es an einem Punkt der geistigen Erstarrung der Körper&lt;br /&gt;
übernimmt, Warnsignale zu geben, damit man nicht immer weiter in eine&lt;br /&gt;
Sackgasse hineingeht. Es ist erstaunlich, dass uns eine innere Kraft die&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Energie&lt;br /&gt;
entzieht, in einer Richtung weiterzumachen, in der es nicht sinnvoll&lt;br /&gt;
ist – ohne dass wir das vom Kopf her steuern können. Wenn wir auf diese&lt;br /&gt;
Signale dann aber nicht hören, kann es sicherlich zu ernsthaften&lt;br /&gt;
Gefahren kommen. 1ch bin heute sehr froh, dass diese Krise eingetreten&lt;br /&gt;
ist und mein Leben verändert hat – so schmerzhaft diese Zeit auch war.&lt;br /&gt;
Die Erfahrungen mit diesen Prozessen lassen mich glauben, dass keine&lt;br /&gt;
echte spirituelle Entwicklung ohne Krisenphasen möglich ist und dass es&lt;br /&gt;
notwendigerweise eine längere Zeit braucht, sich aus solchen Zuständen&lt;br /&gt;
wieder zu befreien, wenn sie zum Wachstum beitragen sollen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund&lt;br /&gt;
dieser Erfahrungen habe ich aber nicht mit der Dharmapraxis aufgehört&lt;br /&gt;
oder gar das Vertrauen in den Buddhismus verloren. Ein Freund sagte&lt;br /&gt;
dazu einmal: „Du brauchst ja nicht das Haus abzureißen, denn du kannst&lt;br /&gt;
es neu einrichten.“ Diese neue Inneneinrichtung habe ich dann&lt;br /&gt;
tatsächlich im Zusammenhang mit der Psychotherapie vorzunehmen&lt;br /&gt;
versucht. Der Buddhismus setzt nämlich, so wie ich ihn kennengelernt&lt;br /&gt;
hatte, auf sehr hohen Ebenen an, für die ich damals wahrscheinlich noch&lt;br /&gt;
gar nicht reif war.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ich spreche von diesen Dingen nicht, weil&lt;br /&gt;
ich einen interessanten Einzelfall beschreiben oder meine persönlichen&lt;br /&gt;
Erlebnisse darstellen möchte. Im Gegenteil, das Auftreten solcher&lt;br /&gt;
Probleme scheint keine Ausnahme zu sein, sondern eine Erfahrung einer&lt;br /&gt;
ganzen Generation westlicher Buddhisten, die sich als erste mehr oder&lt;br /&gt;
weniger auf die buddhistische Praxis eingelassen haben. Kollegen und&lt;br /&gt;
Freunde sagen mir oft, dass sie ähnliche Entwicklungen durchlaufen&lt;br /&gt;
haben, und auch in vielen Büchern von Praktizierenden habe ich&lt;br /&gt;
ähnliches gefunden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Westliche Zugangsweisen zum Dharma&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Welche&lt;br /&gt;
Ausgangsposition ist es nun, die wir Menschen im Westen haben, die zu&lt;br /&gt;
solchen Problemen bei der Aufnahme des Dharma führen, obwohl wir&lt;br /&gt;
tatsächlich mit einer sehr reinen und kraftvollen Lehre in Kontakt&lt;br /&gt;
treten? Ich bin immer wieder äußerst glücklich und zugleich erstaunt,&lt;br /&gt;
dass es eine so tiefgründige Lehre in unserer aufgewühlten Welt gibt.&lt;br /&gt;
Wenn jedoch in der Zugangsweise etwas nicht stimmt, kann die beste&lt;br /&gt;
Lehre einem selber nicht nützen. Allgemeingültig kann man natürlich&lt;br /&gt;
nicht sagen, wie sich westliche Schüler dem Dharma nähern. Tendenziell&lt;br /&gt;
ist es m.E. aber so, dass gerade die begabten Schüler sich zunächst&lt;br /&gt;
sehr intellektuell damit auseinandersetzen. Deshalb ist der Buddhismus&lt;br /&gt;
auch für viele gebildete Menschen sehr attraktiv, da er eine sehr&lt;br /&gt;
rationale Ebene hat und vielen intellektuell befriedigender erscheint&lt;br /&gt;
als andere mehr mythisch angelegte Religionen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Tatsächlich&lt;br /&gt;
erschöpft sich der Buddhismus jedoch nicht im Intellektuellen. Das&lt;br /&gt;
Gebet, die Hingabe und die Meditation sind ebenfalls wichtig. Die Lehre&lt;br /&gt;
in dieser Hinsicht auf sich einwirken zu lassen, fällt westlichen&lt;br /&gt;
Menschen oft schwerer, als die Struktur zu verstehen. In kürzester Zeit&lt;br /&gt;
haben wir das Konzept des Buddhismus verstanden - offenbar viel&lt;br /&gt;
leichter als viele Asiaten. Die Praxis der Asiaten sieht eher so aus:&lt;br /&gt;
Sie fangen an einer Stelle an, geben sich dem ganz hin und machen&lt;br /&gt;
gewisse Erfahrungen. Sie verstehen aber oft nicht sogleich den&lt;br /&gt;
Zusammenhang.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Das ist bei uns ganz anders. Wir scheinen die&lt;br /&gt;
neuartige Fähigkeit entwickelt zu haben, Herz und Kopf, bzw. Intuition&lt;br /&gt;
und Verstand voneinander zu trennen. Das ist ein Resultat unserer&lt;br /&gt;
Kultur, das es wahrscheinlich so in anderen traditionellen Kulturen&lt;br /&gt;
nicht gegeben hat, und diese Reaktionsweise ist auch heute in anderen&lt;br /&gt;
Teilen der Welt nicht so stark ausgeprägt, obwohl sie sich mit der&lt;br /&gt;
Globalisierung weiter ausbreitet. Ebenso sind wir in der Lage, über&lt;br /&gt;
Dinge zu reden, ohne wirklich in Kontakt mit den Inhalten zu sein, über&lt;br /&gt;
die wir reden. Menschen, die sehr rational veranlagt sind, weisen auch&lt;br /&gt;
die Tendenz auf, dass sie zynisch reagieren oder sehr starke Skepsis&lt;br /&gt;
auf die Religion richten, um sich selbst von diesen eigentlich sehr&lt;br /&gt;
bewegenden Inhalten distanziert zu halten. Diese intellektuelle&lt;br /&gt;
Fähigkeit und skeptische Distanz ist m.E. durchaus eine hervorragende&lt;br /&gt;
Grundlage für ein begründetes, tiefes Vertrauen. Solange diese Haltung&lt;br /&gt;
aber Selbstzweck bleibt und nicht in andere Fähigkeiten integriert&lt;br /&gt;
wird, macht sie tiefere Erfahrungen unmöglich.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wer sich auf&lt;br /&gt;
diese einseitige Weise mit dem Buddhismus beschäftigt, wird über Jahre&lt;br /&gt;
hinweg keine echte Veränderung seines spirituellen Wesens wahrnehmen,&lt;br /&gt;
obwohl er nach außen hin „seine Pflicht getan“ haben mag. Viele&lt;br /&gt;
westliche Schüler leiden darunter, dass ihnen das tägliche Gebet wie&lt;br /&gt;
eine Pflichtübung erscheint. Sie haben bei eilig genommenen&lt;br /&gt;
Initiationen Verpflichtungen angenommen, die sie auch ähnlich wie eine&lt;br /&gt;
Arbeitsleistung ausfuhren, ohne einen echten Bezug zu spüren. Dieser&lt;br /&gt;
traurige Zustand ist eine Folge von Praxis ohne echte Hingabefähigkeit.&lt;br /&gt;
Ich glaube, im Westen besteht die Tendenz dazu, Prozesse sehr stark&lt;br /&gt;
kontrollieren oder planen zu wollen. Das führt dann natürlich dazu,&lt;br /&gt;
dass es sehr schwer ist, sich hinzugeben und vertraute Wege loszulassen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Hinzu&lt;br /&gt;
kommt, dass buddhistische traditionelle Lehrer wenig geneigt sind, sich&lt;br /&gt;
stark auf persönliche Dinge einzulassen. Sie geben uns die Lehre, die&lt;br /&gt;
im Grunde ja vollkommen ist. Doch die speziellen Familienverhältnisse&lt;br /&gt;
oder das, was den Schüler gerade persönlich bewegt, interessiert sie&lt;br /&gt;
nicht sehr. Sie haben zumeist auch infolge von Sprachproblemen wenig&lt;br /&gt;
Erfahrung, mit den aus unserer Kultur erwachsenen Problemen umzugehen.&lt;br /&gt;
Ich glaube, die Situation, wie ich sie gerade versucht habe zu&lt;br /&gt;
schildern, ist den meisten Lehrend – so spirituell hoch entwickelt sie&lt;br /&gt;
auch sein mögen – nicht in vollem Umfang klar. Diese Fähigkeit, sich&lt;br /&gt;
intellektuell von Inhalten abzuspalten, ist für sie schwer&lt;br /&gt;
nachvollziehbar, da sie nicht in dieser entfremdeten Situation&lt;br /&gt;
aufgewachsen sind.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;lm Westen, der die Selbstdarstellung bzw.&lt;br /&gt;
die Imagebildung sehr fördert, besteht die große Gefahr, auch den&lt;br /&gt;
Dharma zu benutzen, um sich ein anziehendes image zu geben. Die&lt;br /&gt;
Egozentrik sucht sich immer neue Felder der Betätigung. Der Widerstand&lt;br /&gt;
gegen eine innere Veränderung wird oft gerade dann am größten, wenn man&lt;br /&gt;
auf wirkungsvolle Gegenmittel gegen diese Haltung trifft. Das heutige&lt;br /&gt;
Hauptproblem in der Therapie ist der Narzissmus. Nach meinem&lt;br /&gt;
Verständnis ist der Narzissmus eine Haltung, bei der jemand z.B. in der&lt;br /&gt;
Jugend erlebt, dass er sich so, wie er nun einmal ist, nicht angenommen&lt;br /&gt;
fühlt bzw. nicht die nötige Wärme von seinen Bezugspersonen erfährt.&lt;br /&gt;
Daraufhin entwickelt er ein möglichst grandioses Schein-Selbst, das&lt;br /&gt;
hervorragende Eigenschaften nach außen darstellt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Innerlich&lt;br /&gt;
weiß eine solche Person natürlich bewusst oder unbewusst, dass sie&lt;br /&gt;
nicht so grandios ist, wie sie sich darstellt. Dadurch entsteht eine&lt;br /&gt;
immer größere Schere zwischen dem, was man ist und dem, was man nach&lt;br /&gt;
außen hin darstellt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Folgeerscheinungen einer solchen&lt;br /&gt;
psychischen Situation können starke Schuldgefühle und auch&lt;br /&gt;
Angstzustände sein, da ja die Gefahr der Aufdeckung der Täuschung&lt;br /&gt;
zunehmend präsent ist. Während also nach außen diese schillernde,&lt;br /&gt;
großartige Persönlichkeit erscheint, spielt sich hinter der Fassade oft&lt;br /&gt;
das Elend der Selbstablehnung ab, weil man nicht dafür geschätzt wird,&lt;br /&gt;
was man ist.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Freud verstand den Narzißmus als Selbstliebe. Ich&lt;br /&gt;
möchte ihn aus buddhistischer Sicht eher als Selbstsucht&lt;br /&gt;
interpretieren. Es kommt nun zu Problemen, wenn eine narzißtisch&lt;br /&gt;
gefärbte Person sich für Buddhismus interessiert, der ja tat”.ächlich&lt;br /&gt;
gewaltige Konzepte von Vollkommenheit hat. So kann man ihn scheinbar&lt;br /&gt;
sehr gut benutzen, um sein narzißtisches Selbst weiter aufzublähen.&lt;br /&gt;
Damit sind wir dann allerdings nicht bei buddhistischer Praxis, sondern&lt;br /&gt;
seinem gegenteil in Form von völlig falsch verstandener&lt;br /&gt;
„Selbstverwirklichung“. Wahre Selbstverwirklichung bedeutet in jeder&lt;br /&gt;
Religion den Abbau der Selbstbezogenheit, nicht deren Verherrlichung.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die&lt;br /&gt;
erwähnte Haltung der Selbstablehnung scheint im Westen ungewöhnlich&lt;br /&gt;
ausgeprägt zu sein. Ich weiß von einer Begebenheit, bei der Therapeuten&lt;br /&gt;
mit dem Dalai Lama zusammenkamen. Ein Therapeut wies darauf hin, dass&lt;br /&gt;
viele seiner klienten stark unter Selbstablehnung litten. Der Dalai&lt;br /&gt;
Lama fragte ihn: „Geht Ihnen das auch manchmal so?“ Der Angesprochene&lt;br /&gt;
bejahte, dass er solche Stimmungen kennen würde. Daraufhin fragte der&lt;br /&gt;
Dalai Lama reihum und bekam überall die Reaktion, dass fast alle unter&lt;br /&gt;
einem negativen Selbstbild litten. Darüber war er zutiefst erstaunt,&lt;br /&gt;
denn das kannte er von den Tibetern offenbar nicht. Die Tibeter neigen&lt;br /&gt;
eher dazu, sich zuviel zuzutrauen und stolz zu werden. 1m Umgang mit&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeitstypen hat der Buddhismus dann auch viele Mittel&lt;br /&gt;
gegen den Stolz entwickelt, damit man lernt, sich nicht über andere zu&lt;br /&gt;
stellen. Mit solchen Formen der von Narzißmus ausgelösten&lt;br /&gt;
Selbstverachtung sind die Lehrer wohl erstmals in großem Umfang&lt;br /&gt;
konfrontiert.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Narzißtische Prägungen können natürlich auch zu&lt;br /&gt;
starken Aggressionen führen. Paradoxerweise entwickeln sich&lt;br /&gt;
Schuldgefiihle und Aggressionen besonders stark, wenn man mit diesem&lt;br /&gt;
narzißtischen Selbstbild in der Gesellschaft Erfolg hat. Der Graben&lt;br /&gt;
zwischen dem, was man vorgibt zu sein, und dem, was man ist, wird immer&lt;br /&gt;
größer und damit auch die Reizbarkeit.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ein weiteres Merkmal&lt;br /&gt;
der westlichen Kultur, das mit mangelnder Selbstachtung und geringer&lt;br /&gt;
Verbundenheit mit den inneren Qualitäten zu tun hat, ist das&lt;br /&gt;
ausgeprägte Leistungsdenken. Wenn es sich in der buddhistischen Praxis&lt;br /&gt;
auswirkt, arbeitet man z.B. bis zur Erschöpfung für ein Dharmazentrum.&lt;br /&gt;
Ähnlich wie eine Firma versucht man zu expandieren und immer mehr&lt;br /&gt;
Anhänger zu gewinnen und macht Erfolge in dieser Hinsicht zur Meßlatte&lt;br /&gt;
der eigenen Tugend. ‘Ein solch oberßächliches Erfolgsdenken kann aber&lt;br /&gt;
nicht die buddhistische Ausrichtung sein und fuhrt höchstens zu&lt;br /&gt;
kurzfristigen Befriedigungen. Natürlich ist nichts dagegen zu sagen,&lt;br /&gt;
dass Zentren wachsen und jeder Verein engagierte Helfer braucht. Wenn&lt;br /&gt;
man aber den mittleren Weg verläßt und die ganze eigene Aktivität in&lt;br /&gt;
die Promotion des Vereins fließt, wird man nach vielen Jahren zwar&lt;br /&gt;
feststellen, dass sich das Zentrum womöglich tatsächlich in einem&lt;br /&gt;
gewissen Ausmaß ausgedehnt hat, man selbst jedoch nicht wesentlich&lt;br /&gt;
gewachsen ist, sondern im Gegenteil die innere Unstetigkeit zugenommen&lt;br /&gt;
hat. Eine andere Methode, die eigenen problematischen&lt;br /&gt;
Persönlichkeitsanteile auszublenden, ist es, sich scheinbar völlig Kir&lt;br /&gt;
den Lama aufzuopfern. Ein Kennzeichen, dass es sich nicht um eine&lt;br /&gt;
authentische, die Egozentrik abbauende Praxis handelt, besteht darin,&lt;br /&gt;
dass eine solche Person an der Macht des Lamas partizipieren möchte.&lt;br /&gt;
Dabei distanziert sie sich zunehmend von anderen Schülern und&lt;br /&gt;
Fremdgruppen und behandelt andere keineswegs freundlich, sondern&lt;br /&gt;
zumeist vorwurfsvoll und anmaßend. In diesem Zusammenhang können sich&lt;br /&gt;
im Umkreis großer Lehrer merkwürdige verhärtete Strukturen etablieren.&lt;br /&gt;
Der Lama wird im Zuge dieser Entwicklung zu einem Idol, zu dem kein&lt;br /&gt;
echter Bezug mehr stattfindet. Dadurch wird es ihm schwer fallen, seine&lt;br /&gt;
Schüler im Dharma positiv zu beeinflussen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der Leistungswahn&lt;br /&gt;
des Westens kann auch in spirituellen Zentren eine Atmosphäre des&lt;br /&gt;
Aktivismus schaffen. Im Gegensatz zu dieser Übereffizienz scheint in&lt;br /&gt;
Asien das Problem der Bequemlichkeit im Vordergrund zu stehen. Für&lt;br /&gt;
jemanden, der zu faul ist, den Dharma zu studieren und zu praktizieren,&lt;br /&gt;
ist natürlich ein gewisser Druck vonnöten. Wenn sich Menschen im Westen&lt;br /&gt;
entschlossen haben, Dharma zu praktizieren, ist es selten, dass sie&lt;br /&gt;
bequem sind. Meistens sind sie eher überaktiv. Im Dharma gibt es dafür&lt;br /&gt;
auch einen Ausdruck, nämlich den der „Faulheit der sinnlosen&lt;br /&gt;
Aktivität“. Von den drei Arten der Faulheit, die in den Schriften&lt;br /&gt;
beschrieben werden ist das eine Haltung, die wir heute „Workaholic“&lt;br /&gt;
nennen. Eine solche Form der Aktivität entspringt mehr der Angst davor,&lt;br /&gt;
zur Ruhe zu kommen und dann den Leiden des Daseins direkt ins Auge&lt;br /&gt;
blicken zu müssen, als dem Nutzen der Handlung für das tiefere Glück&lt;br /&gt;
von einem selbst und anderen. Dieses Fluchtverhalten kann man in einem&lt;br /&gt;
Zentrum genauso ausleben wie in einem Konzern. Dharmapraxis dagegen&lt;br /&gt;
reduziert Überflüssige Aktivitäten, stellt sich dem Leiden der&lt;br /&gt;
Gegenwart und geht an seine geistigen Wurzeln. Die in diesem Prozess&lt;br /&gt;
auftretenden Krisensymptome infolge des Zusammenbruchs des bisherigen&lt;br /&gt;
getäuschten Selbstbildes sind Voraussetzung für die Entwicklung einer&lt;br /&gt;
realistischeren Haltung. Der äußere Erfolg dagegen kann niemals&lt;br /&gt;
befriedigend und stabil sein. Je mehr man sich damit identifiziert,&lt;br /&gt;
umso größer wird die Gefahr eines Zusammenbruchs. Oft macht dann erst&lt;br /&gt;
diese zumeist durch den Körper herbeigeführte Krise die Chance eines&lt;br /&gt;
Neuanfangs möglich.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die narzisstische Haltung führt zu einer&lt;br /&gt;
ständigen Anspannung. Stets sind da neue Projekte, die man vorantreibt,&lt;br /&gt;
und dauernd muss man ein strahlendes Äußeres zeigen. Da bleibt&lt;br /&gt;
natürlich wenig Energie und Zeit für kontemplative Übungen übrig, mit&lt;br /&gt;
denen man ja auch andere gar nicht beeindrucken kann, weil sie sich im&lt;br /&gt;
Inneren abspielen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Im Westen werden viele Jugendliche&lt;br /&gt;
dahingehend erzogen, etwas Besonderes sein zu müssen. Ohne&lt;br /&gt;
Beschäftigung mit Therapie weiß man nicht viel über die Vorgänge in der&lt;br /&gt;
frühen Kindheit und wie sie das Verhalten des Erwachsenen prägen. So&lt;br /&gt;
können ungelöste Konflikte sich ungehindert zu Projektionen und&lt;br /&gt;
Übertragungen in der geistigen Gemeinschaft auswirken. Der spirituelle&lt;br /&gt;
Überbau verhindert dabei die Aufdeckung der eigenen&lt;br /&gt;
Persönlichkeitsstruktur noch mehr als in anderen sozialen Umfeldern.&lt;br /&gt;
Wenn man sich damit beschäftigt, wird man eventuell Vater, Mutter,&lt;br /&gt;
Geschwister etc. in der spirituellen Gemeinschaft wiederfinden und&lt;br /&gt;
erleben, wie man Verhaltensweisen und Ängste wiederholt. Zunächst ist&lt;br /&gt;
es wichtig, sich dessen bewusst zu werden, ansonsten wird man diese&lt;br /&gt;
Konflikte naiv ausagieren, was zu großen Spannungen und Überreaktionen&lt;br /&gt;
führen kann.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Neurotische Strukturen gibt es in jeder&lt;br /&gt;
Gesellschaft und entsprechend überlagern sie die Dharmapraxis.&lt;br /&gt;
Allerdings scheinen diese Neurosen im Westen extrem häufig aufzutreten&lt;br /&gt;
und auch teilweise in anderem Gewand als etwa im Osten. So gibt es z.B.&lt;br /&gt;
eine große Häufung psychosomatischer Störungen. Diese zumeist auf&lt;br /&gt;
Muskelverspannungen und Ängsten basierenden Zustände erschweren es&lt;br /&gt;
ebenfalls, in tiefere Meditation einzutreten. In den traditionellen&lt;br /&gt;
Schriften werden solche Hindernisse nicht erwähnt. Sie scheinen mit der&lt;br /&gt;
Überkonzeptualisierung, der Überlastung und Überreizung im Westen&lt;br /&gt;
zusammenzuhängen. in deren Gefolge wird auch sehr viel aufgeregt&lt;br /&gt;
geredet, was nicht zur Klärung beiträgt, sondern weiter erschöpft. Im&lt;br /&gt;
Zustand solcher Verspannung schwindet der Kontakt mit den eigenen&lt;br /&gt;
Gefühlen des Herzens, mit dem eigenen Körper, dem Atem, ja mit der&lt;br /&gt;
Gegenwart überhaupt. Ständig beschäftigt man sich mit Schuldgefühlen&lt;br /&gt;
und Hoffnungen, mit der Vergangenheit oder Zukunft. Sucht- und&lt;br /&gt;
Missbrauchsproblematiken können für zusätzlichen Stress sorgen, der&lt;br /&gt;
auch nicht „wegmeditiert“ werden kann, sondern zunächst bewusst gemacht&lt;br /&gt;
werden muss. Anderenfalls wird er in späteren Phasen immer wieder&lt;br /&gt;
auftreten. Das Empfinden des Aufgehobenseins in der Realität weicht&lt;br /&gt;
einem Gefühl der Abgetrenntheit, das in einem Teufelskreis zu weiteren&lt;br /&gt;
Anspannungen, Blockaden und Ängsten führt. Im Inneren korrespondiert&lt;br /&gt;
diese körperliche Anspannung mit der speziellen Krankheit unseres&lt;br /&gt;
Jahrhunderts – einem Gefühl innerer Leere und Unlebendigkeit, obwohl&lt;br /&gt;
man mit zahllosen Dingen beschäftigt ist.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;In dieser Situation&lt;br /&gt;
ist es sicherlich nicht sinnvoll, einfach eine fremde, weniger&lt;br /&gt;
entfremdete Kultur in ihren äußerlichen Ausprägungen nachzuahmen,&lt;br /&gt;
anstatt die Essenz der Religion zu ergreifen. Unter&lt;br /&gt;
Dharmapraktizierenden wird sehr gern in vorgefertigter Terminologie&lt;br /&gt;
gesprochen, möglichst noch in einer fremden Sprache. Es geht sogar&lt;br /&gt;
soweit, dass Deutsche englische Ausdrücke für Aktivitäten benutzen, die&lt;br /&gt;
man im Deutschen auch ausdrücken kann. Anstatt Niederwerfung hört man&lt;br /&gt;
dann von „Prostration“, anstatt Opfergabe wird „Offering“ gesagt. Damit&lt;br /&gt;
distanziert man die wirksame Kraft dieser Übungen von sich. Man muss&lt;br /&gt;
sich nicht so sehr auf die Religion einlassen, wenn man in einer&lt;br /&gt;
fremden Sprache damit umgeht. Viele bevorzugen z.B. die tibetische&lt;br /&gt;
Rezitation. So schön diese tatsächlich ist, kann diese Form doch auch&lt;br /&gt;
zu einer Vermeidung der wirksamen Mittel der Religion führen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der&lt;br /&gt;
tiefere Hintergrund dürfte sein, dass, sobald die Dharmapraxis wirklich&lt;br /&gt;
greift, Ängste vor Vernichtung auftreten. Wir sind seit langer Zeit&lt;br /&gt;
daran gewöhnt, unsere Selbstsucht und das Greifen nach einem unabhängig&lt;br /&gt;
existierenden Selbst als unsere Beschützer aufzufassen. Die Essenz&lt;br /&gt;
jeder Religion ist es, diese zu vermindern, wodurch es zu&lt;br /&gt;
Widerstandsreaktionen kommt. Da der spirituelle Prozess tatsächlich&lt;br /&gt;
eine Art Tod darstellt, ist die aufkommende Angst vor dem Ungewohnten&lt;br /&gt;
und die entsprechenden Reaktionen darauf durchaus verständlich. Im&lt;br /&gt;
Zen-Buddhismus wird dieser Tod der bisherigen Konditionierung sogar als&lt;br /&gt;
„großer Tod“ bezeichnet - also als noch gravierender als der ,,kleine&lt;br /&gt;
Tod“ des Körpers.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Jede Form des Buddhismus bringt dabei&lt;br /&gt;
unterschiedliche Missinterpretationen und Vermeidungsstrategien mit&lt;br /&gt;
sich. Während der große Pantheon des tibetischen Buddhismus&lt;br /&gt;
Größenvorstellungen narzisstischer Prägung auslösen kann, zieht die&lt;br /&gt;
mehr asketische Theravada-Form zwanghafte Persönlichkeiten mit der&lt;br /&gt;
Tendenz zu Schuldgefühlen und Unterwürfigkeit an. Im Zen-Buddhismus&lt;br /&gt;
dagegen gibt es die Möglichkeit zum Rückzug in isolierte, nicht&lt;br /&gt;
verbalisierte Meditation. Missverstanden kann diese Form der Praxis zur&lt;br /&gt;
Vermeidung von menschlichen Beziehungen führen, weil man dabei&lt;br /&gt;
auftretende mögliche Verletzungen fürchtet. Überhaupt zeigen Menschen,&lt;br /&gt;
die sich Buddhisten nennen. teilweise auch überraschend unsoziales&lt;br /&gt;
Verhalten. Sie kümmern sich einfach nicht darum, was um sie herum&lt;br /&gt;
vorgeht, und meinen, das wäre eine spirituelle Einstellung. Aus&lt;br /&gt;
therapeutischer Sicht sind das mehr schizoide Züge, die sich dort&lt;br /&gt;
ausprägen. Ein Mensch mit dieser aus fischen Verletzungen&lt;br /&gt;
resultierenden Struktur möchte ohnehin nicht so nahe mit anderen und&lt;br /&gt;
den eigenen Gefühlen in Kontakt kommen, da ihm die Gefahr erneuter&lt;br /&gt;
Kränkung zu groß erscheint. Er wird es dann dankbar annehmen, wenn er&lt;br /&gt;
die ganze Zeit auf dem Kissen sitzen kann und nicht mehr mit anderen&lt;br /&gt;
sprechen oder in Beziehung treten muss. Eine recht kalte und gefühllose&lt;br /&gt;
Haltung wird dabei subjektiv als Achtsamkeit erlebt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wenig&lt;br /&gt;
menschlich erscheint es mir auch, wenn diejenigen, die die&lt;br /&gt;
buddhistische Etikette bereits kennen, Unerfahrene spüren lassen, dass&lt;br /&gt;
sie nicht so recht wissen, was sich gehört. So entsteht sektenhafte&lt;br /&gt;
Ausgrenzung. Auch die Überheblichkeit gegenüber anderen religiösen&lt;br /&gt;
Praktizierenden ist nicht selten und könnte sehr gefährlich für die&lt;br /&gt;
Beziehungen der Christen und Buddhisten in unserem Land werden.&lt;br /&gt;
Letzteres tritt gerade dann auf, wenn die alten Bindungen an die&lt;br /&gt;
ursprüngliche Religion nicht wirklich verarbeitet wurden. In dem&lt;br /&gt;
Zusammenhang ist die Gefahr eines Religionswechsels wirklich nicht&lt;br /&gt;
gering zu achten. Die prägenden Einflüsse der Vergangenheit einfach&lt;br /&gt;
nicht mehr wahr haben zu wollen, kann zu Abspaltungen führen und sich&lt;br /&gt;
zu späteren Verunsicherungen auf dem neuen religiösen Weg auswirken,&lt;br /&gt;
wenn sich die Zweifel eruptiv bemerkbar machen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Andere&lt;br /&gt;
Menschen, die sehr freudlos leben, meinen, das wäre Entsagung. In&lt;br /&gt;
buddhistischen Zentren kann es vorkommen, dass alles Unkontrollierbare,&lt;br /&gt;
wie etwa Kinder, Tiere oder die Natur überhaupt als irritierend&lt;br /&gt;
empfunden werden. Für einen Asiaten ist es durchaus sinnvoll,&lt;br /&gt;
gelegentlich irgendwo hinzugehen, wo nicht so viele Kinder oder Tiere&lt;br /&gt;
sind, da er sowieso eine enge affektive Beziehung zu ihnen hat. Die&lt;br /&gt;
Trennung von diesen potentiellen Störungen ist für den, der keine Angst&lt;br /&gt;
vor ihnen hat, sicherlich sinnvoll. Wenn aber aus einer Situation der&lt;br /&gt;
Naturentfremdung so agiert wird, können die Gefühle der Isolation noch&lt;br /&gt;
zunehmen. Gerade Kinder und Tiere können uns korrigieren, da man sie&lt;br /&gt;
nicht täuschen kann. Erwachsene können wir mit dem, was wir reden,&lt;br /&gt;
oberflächlich ganz gut täuschen. Kinder und Tiere aber interessiert gar&lt;br /&gt;
nicht, was wir reden. Sie spüren nur, ab wir von Herzen mit ihnen in&lt;br /&gt;
Kontakt sind oder nicht. Das beängstigt natürlich Menschen, die mit dem&lt;br /&gt;
Dharma eben nicht auf die Weise umgehen, dass sie sich wirklich darauf&lt;br /&gt;
einlassen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Überall auf der Welt gibt es sicher die Haltung,&lt;br /&gt;
sich sehr stark an Regeln und Ritualen festzuhalten. Ich habe natürlich&lt;br /&gt;
nichts gegen Regeln und Rituale, wenn sie richtig verstanden werden.&lt;br /&gt;
Aber wenn man meint, ihre bloße äußerliche Befolgung würde schon das&lt;br /&gt;
Heil bringen, kann das eine große Gefahr bedeuten, vor allem wohl für&lt;br /&gt;
zwanghafte Charaktere. Die Ethik, die kein Selbstzweck, sondern ein&lt;br /&gt;
Mittel zu innerer Freiheit sein sollte, führt dann nur zu Gebundenheit,&lt;br /&gt;
Angst und Intoleranz nach innen und außen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Das narzisstische&lt;br /&gt;
Problem in bezug auf den Buddhismus habe ich allgemein bereits als&lt;br /&gt;
zentrales Hindernis dargestellt. Im Detail wird sich der narzisstisch&lt;br /&gt;
geprägte Schüler an Konzepten wie der Buddha-Natur, an Allmacht oder&lt;br /&gt;
Allwissen des Buddha orientieren und dies selber auf schnellstem Wege&lt;br /&gt;
realisieren wollen. Wohlgemerkt – das eigene konditionierte Ego möchte&lt;br /&gt;
diese Zustände natürlich erreichen. Es geht dabei nicht darum, ein&lt;br /&gt;
Buddha zu werden, der jenseits der Egozentrik steht. Es handelt sich&lt;br /&gt;
mehr darum, die eigene angenommene Überlegenheit für jeden deutlich&lt;br /&gt;
sichtbar zu machen und einen Zustand der Unverletzbarkeit zu erreichen.&lt;br /&gt;
Vielleicht hält man sich insgeheim sowieso für vollkommen und meint,&lt;br /&gt;
das anderen lediglich bewusst machen zu müssen. Konzepte des Leidens&lt;br /&gt;
und der Mühe auf dem langen Pfad erscheinen Personen mit dieser&lt;br /&gt;
Struktur nicht sehr attraktiv.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Westliche Menschen sind&lt;br /&gt;
allgemein oft sehr zielorientiert und konzentrieren sich daher auch&lt;br /&gt;
sehr stark auf das Sammeln von Verdienst, so wie man Geld sammelt.&lt;br /&gt;
Diese Konzepte von Verdienst und Zielorientiertheit im Dharma sind – so&lt;br /&gt;
glaube ich - für Asiaten oft sehr wertvoll. Nur wenn sie in ein Umfeld&lt;br /&gt;
kommen, wo Menschen sowieso extrem zielorientiert oder an das Ansammeln&lt;br /&gt;
von Besitz gewöhnt sind, können sie zu einem Problem werden. Diese&lt;br /&gt;
sinnvollen Konzepte können wiederum missbraucht werden. Es geht dabei&lt;br /&gt;
niemals darum, dass die Dharmakonzepte an sich schlecht sind. Es geht&lt;br /&gt;
mir nur darum, bewusst zu machen, dass es zu Entstellungen der Lehre&lt;br /&gt;
kommen kann, wenn man seine eigene psychische Struktur nicht erforscht&lt;br /&gt;
hat und dann auf diese heiligen Dinge trifft. Auf der Grundlage dieses&lt;br /&gt;
Wissens aber ist dann eine ehrliche Praxis möglich.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Nicht von&lt;br /&gt;
der Hand zu weisen ist sicherlich, dass Ängste im Umgang mit der&lt;br /&gt;
eigenen Sexualität und Aggression zur Verleugnung dieser Antriebe&lt;br /&gt;
führen können. Dabei wird diese Verdrängung dann möglicherweise als&lt;br /&gt;
Reinheit und Sanftmut gedeutet. Wenn diese Kräfte später dann doch an&lt;br /&gt;
die Oberfläche treten, zeigen sie sich oft in eruptiver, schwer zu&lt;br /&gt;
verarbeitender Form. Das religiöse Konzept der Reue bzw. Beichte, also&lt;br /&gt;
einer Einsicht in die Fehler der Vergangenheit, kann als Aufforderung&lt;br /&gt;
zur Selbstverdammung aufgefasst werden. Der Buddha aber hat&lt;br /&gt;
Schuldgefühle eindeutig als Hemmung bezeichnet, die die Intensität der&lt;br /&gt;
Konzentration schwächen. Ein dem Depressiven zuneigender Typus tendiert&lt;br /&gt;
dazu, die Einstellung der Demut und der Freigebigkeit&lt;br /&gt;
misszuinterpretieren, und seiner eigenen Persönlichkeit und seinen&lt;br /&gt;
Bedürfnissen keinen Freiraum zu lassen. Damit wird zwischen der&lt;br /&gt;
Leidenschaft der Begierde und legitimen Wünschen nach Glück nicht&lt;br /&gt;
korrekt unterschieden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ein nach therapeutischem Vokabular mehr&lt;br /&gt;
hysterisch veranlagter Mensch wird sich schwer abgrenzen können und die&lt;br /&gt;
Symbiose suchen, die ihm z.B. im Konzept von Bodhicitta im Dharma&lt;br /&gt;
vorhanden zu sein scheint. Das buddhistische Wissen um die&lt;br /&gt;
Verbundenheit der Wesen wird als völlige Auflösung des Individuums&lt;br /&gt;
mißinterpretiert. Sehr verbreitet in spirituellen Kreisen ist auch die&lt;br /&gt;
Selbstdarstellung mit Hilfe eines ständigen Lächelns. Tatsächlich ist&lt;br /&gt;
es wunderbar, wenn jemand lächelt. Nur wenn man feststellt, daß jemand&lt;br /&gt;
sehr viel Anstrengung aufbringt, den ganzen Tag zu lächeln, dann ist&lt;br /&gt;
die Grundlage dafür sicher nicht die gleiche, wie bei dem entspannten&lt;br /&gt;
Lächeln der Lamas und Buddhas. Es wäre auch in diesem Fall hilfreicher,&lt;br /&gt;
sich nicht so anzustrengen und ganz normal zu sein. Dann wird man auch&lt;br /&gt;
die Energie bekommen, die zu einem echten Lächeln führt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Es&lt;br /&gt;
gibt in der Realität nur Annäherungen an die in der Therapie etwa von&lt;br /&gt;
Riemann oder Lowen beschriebenen neurotischen Charakterfarmen. Trotzdem&lt;br /&gt;
neigt der Einzelne zumeist einer Haltung mehr zu und sucht sich&lt;br /&gt;
bestimmte Dhanaakonzepte bevorzugt heraus, um sie in seiner Struktur&lt;br /&gt;
entstellt auszuüben. Aus der Selbsterkenntnis dieses Musters kann man&lt;br /&gt;
für die Selbstbeobachtung viel gewinnen. Diese Erkenntnis sollte&lt;br /&gt;
natürlich nicht dazu führen, sich selbst und andere festzulegen, da&lt;br /&gt;
eine Veränderung jederzeit möglich ist.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ein mehr rigider Typus&lt;br /&gt;
wird sich im Dharma sehr pflichtbewußt verhalten und vor allem auf&lt;br /&gt;
Perfektion aus sein. Gerade deutsche Buddhisten neigen dazu, alles&lt;br /&gt;
hundertprozentig machen zu wollen. Meine Lehrer wundern sich immer&lt;br /&gt;
darüber, daß wir meinen, daß ein Erfolg zu hundert Prozent im Samsara&lt;br /&gt;
möglich ist. Ein erfahrener Buddhist sollte eigentlich wissen, daß alle&lt;br /&gt;
Dinge befleckt sind und damit auch unsere Aktivitäten. Dennoch&lt;br /&gt;
versuchen wir es immer wieder, was natürlich zu großen Enttäuschungen,&lt;br /&gt;
Streß und Nervosität führt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Was auch passieren kann, ist, daß&lt;br /&gt;
man Dharma lehren möchte, um überhaupt wahrgenommen zu werden, 1n&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht sollte ich mich auch einmal mehr prüfen. Soviel zu dem,&lt;br /&gt;
was ich manchmal „Extra-Samsaras“ im Westen nenne, wobei die Liste&lt;br /&gt;
natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit besitzt. Ich glaube&lt;br /&gt;
tatsächlich, daß wir bei der Dharmapraxis bestimmte Probleme aufweisen,&lt;br /&gt;
die so in den klassischen Schriften nicht bekannt sind. Die anderen, in&lt;br /&gt;
den Schriften beschriebenen Haltungen haben wir natürlich auch.&lt;br /&gt;
Grundsätzlich sehe ich weniger die klassischen Hindernisse des Stolzes&lt;br /&gt;
und der Bequemlichkeit, dafür aber ein verstärktes Auftreten der&lt;br /&gt;
Selbstablehnung und Überaktivität. Das Auftreten des egozentrischen&lt;br /&gt;
iVIißbrauchs religiöser Lehren ist ganz natürlich und sollte mit&lt;br /&gt;
I-lumor und Selbstakzeptanz behandelt werden. Unverzichtbar ist aber&lt;br /&gt;
Bewußtwerdung der Realität dieser Vorgänge. Wenn man sie dann in&lt;br /&gt;
Zukunft wahrnehmen lernt, ist ihre Kraft schon stark geschwächt.&lt;br /&gt;
Achtsames Betrachten wirkt dabei als ein mittlerer Weg zwischen&lt;br /&gt;
Verdrängen und Ausagieren.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ursachen neurotischer Zugangsweisen im Westen&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Welche&lt;br /&gt;
kulturellen Wurzeln haben diese „Extra - Samsaras“? Ich denke, daß&lt;br /&gt;
unsere arbeitsteilige, technische Arbeitswelt eine Bedingung für diese&lt;br /&gt;
und andere Entfremdungssymptome bildet. In unserer Kultur ist die&lt;br /&gt;
Person einem großen Streß ausgesetzt. Es kommt dabei häufig zu&lt;br /&gt;
Verletzungen und zu Abwehrmaßnahmen gegen weitere Verwundungen. Die&lt;br /&gt;
ganze Atmosphäre von Konkurrenz und Überzivilisation, von ständigem&lt;br /&gt;
Funktionieren und Leistenmüssen führt dazu, daß man Gefühle praktisch&lt;br /&gt;
abschalten muß, damit die eigenen tieferen Bedürfnisse diese&lt;br /&gt;
Aktivitäten nicht behindern können. So meint man, weiter funktionieren&lt;br /&gt;
zu können und hofft, Anerkennung und Sicherheit zu finden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Außerdem&lt;br /&gt;
glaube ich, daß die Familienstruktur in Asien anders ist als bei uns.&lt;br /&gt;
Bei uns herrscht die Kleinfamilie vor. Nicht nur, daß die Großfamilie&lt;br /&gt;
aufgelöst ist; auch die Kleinfamilie steht bereits unter großem Druck&lt;br /&gt;
und zeigt als Bezugsrahmen Auflösungserscheinungen. Das führt dazu, daß&lt;br /&gt;
nur wenige Bezugspersonen vorhanden sind, die eigene Probleme auffangen&lt;br /&gt;
können. Bei uns erlebt man bereitsvein schweres Trauma, wenn die&lt;br /&gt;
Beziehung zu einem wesentlichen Familienmitglied, z.B. Mutter oder&lt;br /&gt;
Vater, gestört ist.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;In anderen Kulturen ist es tendenziell&lt;br /&gt;
anders. Wenn man sich mit einer Person nicht so versteht, kann man sich&lt;br /&gt;
immer noch mit vielen anderen Mitgliedern der Gesellschaft arrangieren&lt;br /&gt;
und diese Lücke ausgleichen. Beziehungen sind auch im Erwachsenenalter&lt;br /&gt;
nicht so einseitig auf eine oder zwei Personen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
Erschwerend kommt hinzu, daß die Personen, auf die wir fixiert sind,&lt;br /&gt;
selbst oft sehr verloren und ohne spirituellen Halt sind. Vielleicht&lt;br /&gt;
hängt es auch mit der Erfahrung der Weltkriege zusammen, daß unsere&lt;br /&gt;
Eltern - zumindest was meine Generation angeht - selbst recht&lt;br /&gt;
entwurzelt sind.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Diese Situation kann dazu führen, daß ein&lt;br /&gt;
Kind bei uns - wenn auch nicht äußerlich - relativ wenig Wärme und&lt;br /&gt;
psychische Sicherheit erfährt. Es gibt keinen Grund, Asien zu&lt;br /&gt;
verherrlichen. Es gibt dort sicher andere gravierende Probleme, aber in&lt;br /&gt;
dieser Hinsicht scheint sich ein heranwachsender Mensch im Osten&lt;br /&gt;
aufgehobener zu fühlen. Wenn er zu meditieren anfängt, löst er sich aus&lt;br /&gt;
einer tiefen Verbindung, um sich zu individualisieren. Bei uns ist es&lt;br /&gt;
oft so: Man kommt aus einer Situation der Anspannung und des&lt;br /&gt;
Unaufgehobenseins und möchte das mit Hilfe der Meditation in einem&lt;br /&gt;
Gefühl der Verschmelzung überwinden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Es ist ein völlig anderer&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der Meditation, ob man sich aus einem zumindest weltlich&lt;br /&gt;
gesehen zufriedenen Zustand der Meditation zuwendet, um ein&lt;br /&gt;
transzendentes höheres Glück zu erlangen, oder aus blanker Not mit der&lt;br /&gt;
Gegenwart. Diese spirituelle Not läßt ein grandioses oder deprimiertes&lt;br /&gt;
Selbstbild entstehen, weil man sich eben so wie man ist nicht&lt;br /&gt;
angenommen fühlt. Bei asiatischen Jugendlichen dagegen ist oft zu&lt;br /&gt;
bemerken, daß sie nicht so viel Aufhebens um ihre eigene Person machen,&lt;br /&gt;
weil sie es offenbar nicht nötig haben. Wenn man mit einem westlichen&lt;br /&gt;
Altersgenossen zusammentrifft, hat man oft innerhalb von einem halben&lt;br /&gt;
Tag seine gesamte Lebensgeschichte und alle Erfolge und Katastrophen&lt;br /&gt;
gehört, während es sich für uns als ein Problem darstellt, daß man bei&lt;br /&gt;
Asiaten auch nach langer Zeit oft nicht ermitteln kann, worunter sie&lt;br /&gt;
leiden. Ich denke, wenn sie hier leben, wäre es besser für sie, wenn&lt;br /&gt;
sie lernen würden, sich zu äußern.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der teilweise zu großen&lt;br /&gt;
sozialen Gebundenheit der Asiaten steht im Westen eine Übertreibung der&lt;br /&gt;
Betonung von Autonomie und Individuation gegenüber. Das eigene Denken&lt;br /&gt;
kreist ständig um das sehr komplizierte und verletzbare eigene Selbst.&lt;br /&gt;
Dieser Hang zur Selbstdarstellung und die Pflege eines als weitgehend&lt;br /&gt;
isoliert empfundenen, ängstlichen Egos, das sich gegen die Umwelt&lt;br /&gt;
behaupten muß, macht es einem sehr schwer, sich einer Religion&lt;br /&gt;
hinzugeben. Religion ist im tieferen Sinne immer die Transzendierung&lt;br /&gt;
der Illusion eines abgetrennten, beständigen Egos. Bei der&lt;br /&gt;
Meditationspraxis wird es an einem fortgeschrittenen Punkt der Praxis&lt;br /&gt;
nötig sein, sich fallenlassen zu können und sein bisheriges Selbstbild&lt;br /&gt;
in Frage zu stellen, um sich transzendenten Erfahrungen zu öffnen.&lt;br /&gt;
Diese Öffnung verlangt Mut und eine stabile Persönlichkeit.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der Nutzen von Therapie für westliche Buddhisten&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Was&lt;br /&gt;
kann man nun tun, um diese schwierige Ausgangslage für die Dharmapraxis&lt;br /&gt;
zu erleichtem. Ich glaube, daß es auf einer anfänglichen Ebene von&lt;br /&gt;
großem Nutzen ist, zumindest einen Menschen zu haben, gegenüber dem man&lt;br /&gt;
ganz offen reden und sich ungeschützt geben kann, ohne&lt;br /&gt;
gesellschaftliche Repressalien in der Familie oder im Arbeitsleben&lt;br /&gt;
fürchten zu müssen. In diesem Zusammenhang ist ein Therapeut eine&lt;br /&gt;
wichtige Bezugsperson, wenn er Vertrauen und Liebe ausstrahlt. Eine&lt;br /&gt;
solche Person muß gar nicht unbedingt ein Therapeut sein, aber&lt;br /&gt;
zumindest jemand, der wirklich zuhören kann. Es wird auch leichter&lt;br /&gt;
sein, sich in einer solchen neutralen Umgebung zu öffnen, als innerhalb&lt;br /&gt;
der komplizierten Beziehungstrukturen in einem Dharma-Zentrum.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Von&lt;br /&gt;
den buddhistischen Grundübungen scheinen die Atemmeditation, die&lt;br /&gt;
Achtsamkeitspraxis und Entspannungsübungen eine größere Priorität für&lt;br /&gt;
uns zu haben als in Asien. Diese Mittel können auch in den&lt;br /&gt;
therapeutischen Prozeß einfließen. Tibetische Lamas sehen meist nicht&lt;br /&gt;
recht ein, warum es so wichtig sein soll, seinen Atem zu beobachten&lt;br /&gt;
oder Gehmeditation durchzuführen oder sich einfach nur zu entspannen.&lt;br /&gt;
Sich zu entspannen ist für sie das Einfachste von der Welt. Ihnen kommt&lt;br /&gt;
es mehr darauf an, Wissen zu vermitteln.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Für uns ist es jedoch&lt;br /&gt;
sehr wichtig, mit Hilfe dieser Mittel erst einmal mit uns selbst in&lt;br /&gt;
Kontakt zu kommen. Uns selbst überhaupt in der Stille auszuhalten und&lt;br /&gt;
nicht immer in die Aktivität, in diverse Kämpfe und das&lt;br /&gt;
Gedankenkarussell zu flüchten, ist für uns tatsächlich eine große&lt;br /&gt;
Leistung. Sehr wichtig ist es dabei auch, den Körper zu lockern und&lt;br /&gt;
sich seiner bewußt zu werden. In den Schriften wird zwar die ideale&lt;br /&gt;
Meditationshaltung geschildert, aber es ist nichts darüber zu finden,&lt;br /&gt;
daß man vielleicht starke Verspannungen im Rücken feststellt und gar&lt;br /&gt;
nicht in der Lage ist, richtig zu sitzen. Wenn die Haltung nicht&lt;br /&gt;
entspannt eingenommen werden kann, werden die Energien blockiert und&lt;br /&gt;
keine tieferen geistigen Erfahrungen möglich sein, da die subtilen&lt;br /&gt;
Körperenergien und der Geist eine Einheit bilden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Um die&lt;br /&gt;
Verspannungen zu lösen, kann es wirklich nützlich sein, eine&lt;br /&gt;
körperorientierte Therapie durchzuführen. Die Verspannungen haben ihre&lt;br /&gt;
Vorgeschichte. Wir haben sie in einer Phase entwickelt, in der wir als&lt;br /&gt;
Kinder gar nicht anders konnten, als schmerzhafte Erfahrungen durch das&lt;br /&gt;
Blockieren der Energie zu verringern. Nicht mehr viel zu fühlen ist&lt;br /&gt;
allemal besser als ein ständiger Schmerz. Als Kind konnte man nicht&lt;br /&gt;
bewußt alles aufarbeiten, was da vor sich gegangen ist. Vieles von dem,&lt;br /&gt;
was die Eltern tun, kann ein Kind unmöglich verstehen. Eltern sind für&lt;br /&gt;
Kinder zunächst einmal wie Götter. Wenn sie Fehlverhalten zeigen, kann&lt;br /&gt;
ein Kind das nicht verstehen und muß es notwendigerweise verdrängen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Als&lt;br /&gt;
Erwachsener findet man dann immer noch im Körper diese&lt;br /&gt;
Energieunterbrechung in Form von Muskelverspannungen vor, obwohl man&lt;br /&gt;
eigentlich in der Lage wäre, jetzt bewußt mit den alten Problemen&lt;br /&gt;
umzugehen und sich die Energie wieder zunutze zu machen. Genau das ist&lt;br /&gt;
auch die Aufgabe der Körpertherapie. Zunächst werden die Schmerzen und&lt;br /&gt;
die Trauer neu erfahren, wenn man die Blockaden aufhebt. Diese Leiden&lt;br /&gt;
können nun aber bewußt mit der Vernunft des Erwachsenen bearbeitet und&lt;br /&gt;
ein Wachstum über diesen Schmerz hinaus eingeleitet werden, das zu&lt;br /&gt;
Versöhnung und Akzeptanz führt. Die Energien brauchen nun nicht mehr&lt;br /&gt;
blockiert zu werden und stehen z.B. für die Meditation zur Verfügung.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Im&lt;br /&gt;
therapeutischen Prozeß wird es sehr wichtig sein, die eigenen konkreten&lt;br /&gt;
Muster kennenzulernen. Dabei ist es ein großer Schritt nach vorne zu&lt;br /&gt;
akzeptieren, daß man in bezug auf Tugenden und Fehler ganz normal ist&lt;br /&gt;
und daß vielleicht die Eigenschaft, auf die man besonders stolz ist,&lt;br /&gt;
eine Neurose darstellt. Auf jeden Fall ist es für einen Anfänger in der&lt;br /&gt;
Dharmapraxis sehr viel schmerzhafter aber auch effektiver, so seine&lt;br /&gt;
persönliche Struktur aufzudecken, als ganz allgemein zu sagen: „Haß,&lt;br /&gt;
Gier und Unwissenheit sind die Wurzel allen Übels.” Diese Aussage ist&lt;br /&gt;
zwar absolut richtig, aber die Leidenschaften wirken sich in unserem&lt;br /&gt;
konkreten Leben immer wieder neu aus. Wenn uns das jemand persönlich&lt;br /&gt;
deutlich macht und wir diese Tatsache an uns selber feststellen, bewegt&lt;br /&gt;
uns das viel mehr, als wenn wir nur abstrakte Weisheiten hören, die wir&lt;br /&gt;
hauptsächlich in bezug auf andere oder die Außenwelt interpretieren.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ich&lt;br /&gt;
glaube, daß es deshalb auch in der buddhistischen „Szene” starke&lt;br /&gt;
Widerstände gibt, sich therapeutisch zu beschäftigen. Es geht bei&lt;br /&gt;
dieser Arbeit eben um sehr konkrete persönliche Fragen, die oft&lt;br /&gt;
zunächst sehr schmerzhaft sind und für ein narzißtisches Selbstbild&lt;br /&gt;
nicht sehr angenehm. Eigentlich möchte man auch nicht an diesen Dingen&lt;br /&gt;
rühren und etwas verändern, weil sie als Uberlebensstrategien benutzt&lt;br /&gt;
werden. Wenn man aber echte Freiheit anstrebt, geht kein Weg an dieser&lt;br /&gt;
Aufdeckung vorbei. Leichter ist es natürlich, sich auf der quasi&lt;br /&gt;
unanfechtbaren Ebene abstrakter Philosophie zu bewegen. Diese ewigen&lt;br /&gt;
Wahrheiten etwa des Buddhismus werden dann nicht auf die konkrete&lt;br /&gt;
Situation angewandt und dienen als Vermeidungsstrategie gegenüber&lt;br /&gt;
persönlichen Zumutungen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Natürlich ist das Leid, das wir&lt;br /&gt;
erleben, letztlich die Auswirkung von Unwissenheit. Wir gehen von einem&lt;br /&gt;
beständigen, unabhängigen und teilelosen Selbst aus, das von der&lt;br /&gt;
buddhistischen Philosophie als bloße Projektion entlarvt wird. Wir&lt;br /&gt;
glauben an ein Selbst, das sich nicht verändert, obwohl der Wechsel von&lt;br /&gt;
Glück und Leid in unserem Leben das Gegenteil beweist. Wir haben die&lt;br /&gt;
Vorstellung eines von Ursachen und Bedingungen unabhängigen Ichs,&lt;br /&gt;
obwohl wir doch offensichtlich von Eltern, Nahrung und spiritueller&lt;br /&gt;
Unterweisung abhängig sind. Außerdem glauben wir oft, daß wir ein&lt;br /&gt;
teileloses Selbst hätten und versuchen ein solches Konzept&lt;br /&gt;
philosophisch zu untermauern. In Wirklichkeit aber sind wir völlig&lt;br /&gt;
abhängig von Körper und Geist und deren Teilen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der Buddha hat&lt;br /&gt;
diese falschen Auffassungen als Ursprung, aller Leidenschaften und&lt;br /&gt;
allen Leidens sehr genau dargestellt. Niemals verneinte er dabei das&lt;br /&gt;
Ich, sondern verwarf lediglich falsche Auffassungen über ein Ich, wie&lt;br /&gt;
es so niemals existiert hat. Diese falschen Auffassungen über ein&lt;br /&gt;
Selbst existieren auf vielen Ebenen in Form von philosophischer&lt;br /&gt;
Spekulation und angeborenem Greifen. Sie prägen sich auch ganz konkret&lt;br /&gt;
in unserem täglichen Leben aus. Die Mittel der westlichen Therapie i&lt;br /&gt;
sind recht wirksam darin, deutlich zu machen, wie sie sich auswirken,&lt;br /&gt;
obwohl sie oft nicht diesen philosophischen Hintergrund haben.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wenn&lt;br /&gt;
man diese Muster nicht am konkreten Fall erforscht, werden sie sich in&lt;br /&gt;
der Dharmapraxis auswirken. Man wird immer wieder die gleichen starren&lt;br /&gt;
Verhaltensweisen an den Tag legen und sie als Dharmapraxis ausgeben.&lt;br /&gt;
Das Wesen der Neurose besteht m.E. darin, daß ein Mensch nicht anders&lt;br /&gt;
kann, als immer wieder etwas zu wiederholen, was ihn letztlich unfrei&lt;br /&gt;
macht. Wir alle kennen Menschen, die immer die gleichen Antworten&lt;br /&gt;
geben. Man weiß schon vorher, wann der andere sich wieder ärgern und&lt;br /&gt;
überreagieren wird. Meistens wird die fruchtbare Kommunikation dadurch&lt;br /&gt;
stark behindert. Gespräche laufen immer nach dem gleichen Muster ab und&lt;br /&gt;
nicht Inhalte, sondern persönliche Empfindlichkeiten bestimmen den&lt;br /&gt;
Verlauf. Kreativität wird so unmöglich. Solch ein stereotyper Verlauf&lt;br /&gt;
ist ein konkreter Ausdruck der Vorstellung eines unabhängigen Selbst im&lt;br /&gt;
Alltag.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Im Buddhismus streben wir die Entwicklung einer&lt;br /&gt;
Persönlichkeit an, die frei von festen Mustern ist. Die Reife des&lt;br /&gt;
Geistes zeigt sich u.a. in einer zunehmenden Erfahrung der eigenen&lt;br /&gt;
ständigen Veränderung. Jeder Moment wird als neu und voller Chancen&lt;br /&gt;
erlebt und auf jede Situation kann so reagiert werden, wie es im Moment&lt;br /&gt;
angebracht ist - und nicht wie es die eigene Dogmatik vorschreibt.&lt;br /&gt;
Tatsächlich stehen wir als Person ständig in Zusammenhängen und müssen&lt;br /&gt;
neu und flexibel darauf reagieren. Die Unfähigkeit dazu folgt aus der&lt;br /&gt;
Auffassung eines eigenständig existierenden Selbstes. Diese Täuschung&lt;br /&gt;
läßt die Leidenschaften anwachsen und resultiert in vielen Leiden&lt;br /&gt;
aufgrund des entstehenden Konfliktes zwischen den eigenen Vorstellungen&lt;br /&gt;
und der Realität. Die Entstehung dieser Muster wird mit anderen Worten&lt;br /&gt;
in der Therapie auch sehr genau beschrieben, wodurch sie der&lt;br /&gt;
buddhistischen Theorie Leben geben kann.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wer sehr an seiner&lt;br /&gt;
Meinung und Perspektive festhält, ärgert sich natürlich auch&lt;br /&gt;
entsprechend bei Gegenmeinungen. Wer dazu neigt, suchthaft&lt;br /&gt;
Sinnesobjekte zu konsumieren, wird bald von seinen Begierden gefangen&lt;br /&gt;
sein und viele Frustrationen erleben. Wenn man solche Muster durch&lt;br /&gt;
therapeutische Bemühungen erkennt, kann man sie loslassen. Man gewinnt&lt;br /&gt;
einen gewissen Abstand und eine neue Freiheit. Hat man sie noch nicht&lt;br /&gt;
identifiziert, kann man sie auch nicht loslassen. Wenn ich mich immer&lt;br /&gt;
wieder in einer Situation befinde, in der ich normalerweise immer auf&lt;br /&gt;
die gleiche Weise reagiere, sollte ich mir die Zeit nehmen, diese&lt;br /&gt;
Vorgänge mit ein wenig Abstand zu durchschauen und dann versuchen,&lt;br /&gt;
einmal einen anderen Weg auszuprobieren. Wenn es mir gelingt, den Strom&lt;br /&gt;
der Handlungen ein wenig zu verändern, zeigt sich darin ein echter&lt;br /&gt;
Zustand von Freiheit.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Dieser Zustand hat sehr viel mit dem&lt;br /&gt;
Nirvana gemeinsam. Nirvana ist nichts anderes, als das Beenden der&lt;br /&gt;
Hindernisse in uns, die immer wieder den gleichen Kreislauf von&lt;br /&gt;
Verstrickungen, Neurosen und negativen Geisteszuständen auslösen. Wenn&lt;br /&gt;
wir in der Lage sind, von diesen negativen Geisteszuständen nicht mehr&lt;br /&gt;
beherrscht zu werden, indem wir sie durch Achtsamkeit erkennen und&lt;br /&gt;
durchschauen, dann sind wir wirklich freier. Das ist natürlich noch&lt;br /&gt;
nicht die vollständige Befreiung eines Erleuchteten, der sämtliche&lt;br /&gt;
Keime des Leidens überwunden hat, aber es ist ein Vorgeschmack.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wir&lt;br /&gt;
können die Realität von Nirvana in diesem Leben erspüren wenn wir&lt;br /&gt;
feststellen, daß wir nicht immer auf die gleiche lähmende Weise&lt;br /&gt;
reagieren müssen. Diese Befriedigung kann man auch durch Therapie&lt;br /&gt;
ansatzweise erreichen, wenn man seine Muster gut durchschaut hat. Ein&lt;br /&gt;
befreundeter Therapeut sagte einmal zu mir: „Man muß sich lange mit&lt;br /&gt;
diesen unerfreulichen und eigentlich oberflächlichen Aspekten des&lt;br /&gt;
Geistes beschäftigen, um sich dann den letztlichen Aspekten des Geistes&lt;br /&gt;
überhaupt zuwenden zu können”. Man muß von diesem Ballast durch&lt;br /&gt;
Bewußtheit frei werden, um sich dann den eigentlich entscheidenden&lt;br /&gt;
Dingen kraftvoll zuwenden zu können. Jeder möchte sich natürlich gleich&lt;br /&gt;
dem Positiven, dem Dharma widmen, aber es sind Hindernisse vorhanden in&lt;br /&gt;
Form des alltäglichen Samsaras von Mustern und Neurosen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Es&lt;br /&gt;
ist nicht nötig, all diese Muster zu bekämpfen. Effektiver ist es, die&lt;br /&gt;
Energie aus diesen Verhaltensweisen herauszunehmen, indem man sie erst&lt;br /&gt;
einmal anschaut, akzeptiert und dann losläßt. In einer guten Therapie&lt;br /&gt;
kann man das lernen und dann mit Achtsamkeitsmeditation diese Haltung&lt;br /&gt;
vertiefen. Es kann allerdings zunächst in eine Krise führen, wenn man&lt;br /&gt;
neurotische Züge an sich erkennt, weil man sich vorher gar nicht so&lt;br /&gt;
gesehen hat. Man hatte vielleicht eher ein grandioses Selbstbild. Diese&lt;br /&gt;
häufig durch psychosomatische Leiden eingeleitete Selbsterkenntnis ist&lt;br /&gt;
aber äußerst entscheidend. Wir finden sie auch in den Mythen der&lt;br /&gt;
Religionen, wie etwa in der Lebensgeschichte des Buddha&lt;br /&gt;
widergespiegelt. Der Buddha lebte als Prinz im Palast und hatte ein&lt;br /&gt;
grandioses Selbstbild. Dann wurde er mit Alter, Krankheit und Tod&lt;br /&gt;
konfrontiert und wurde sich der Unausweichbarkeit des Leidens im&lt;br /&gt;
Samsara bewußt. Aufgrund der Begegnung mit dem Leiden entschied er sich&lt;br /&gt;
zu einem echten Wandel - der Entsagung. Entsagung bedeutet dabei die&lt;br /&gt;
Ausrichtung auf eine neue Perspektive jenseits der Selbstsucht. Dieser&lt;br /&gt;
Weg kulminiert schließlich in der Erlangung des Nirvana. Ähnliche&lt;br /&gt;
Legenden finden wir auch in Form von Tod und Neugeburt eines Helden in&lt;br /&gt;
anderen Mysterienreligionen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Es geht im Buddhismus nicht&lt;br /&gt;
darum, sein Ego mit perfekten äußeren Verhältnissen abzusichern und ihm&lt;br /&gt;
schmückende Attribute zu verleihen. Es handelt sich vielmehr darum,&lt;br /&gt;
diese Vorstellung tatsächlich zu einem kompletten Zusammenbruch zu&lt;br /&gt;
bringen. Bevor die egozentrische Mentalität nicht einen kompletten&lt;br /&gt;
Schiffbruch erlitten hat, wird man kaum bereit sein, grundsätzliche&lt;br /&gt;
Änderungen zu vollziehen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Nur mit echter Weisheit, wie sie der&lt;br /&gt;
Buddha entwickelt hat, ist die Krise im Zuge des Zusammenbruchs der&lt;br /&gt;
Ego-Vorstellung letztlich lösbar. Eine Krise kann also zum Katalysator&lt;br /&gt;
des spirituellen Weges werden. Wenn wir diese Krise aber nicht&lt;br /&gt;
wahrhaben wollen, uns gar nicht darauf einlassen, werden wir auch nie&lt;br /&gt;
die Kraft haben, uns wirklich konsequent auf den spirituellen Weg zu&lt;br /&gt;
begeben. Wir werden uns immer mit den kleinen Problemen des Lebens&lt;br /&gt;
ablenken, um das tiefere Problem der Existenz und des Todes zu&lt;br /&gt;
überdecken.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;In der Therapie kann man diese Krise des Egos&lt;br /&gt;
bewußt erleben. Meistens ist vor der Hinwendung zur Therapie bereits&lt;br /&gt;
eine Art Zusammenbruch erfolgt. Die therapeutische Situation kann für&lt;br /&gt;
eine gewisse Zeit einen geschützten Rahmen bilden, in dem man sich&lt;br /&gt;
diesen Zusammenbruch eingestehen und ihn zulassen kann. Es wird nicht&lt;br /&gt;
so sein, daß man im folgenden sofort weiß, wo es weitergeht. So einfach&lt;br /&gt;
ist das nicht. Schließlich bricht das gesamte Konzept der eigenen&lt;br /&gt;
Identität zusammen. Hätte man sofort eine „richtige” Antwort parat,&lt;br /&gt;
wäre diese wiederum genauso künstlich und unflexibel wie die vorherige.&lt;br /&gt;
Der Heilungsprozeß dauert notwendigerweise längere Zeit und es gehört&lt;br /&gt;
zu den Stärken der westlichen Therapie, das zu akzeptieren. Die&lt;br /&gt;
eigentliche Antwort ist wahrscheinlich größer als das, was wir uns&lt;br /&gt;
normalerweise vorstellen können. Deshalb ist es wichtig, auf vorgefaßte&lt;br /&gt;
Meinungen über das Ziel des Prozesses zu verzichten und die Intuition&lt;br /&gt;
und Selbstheilungskräfte in Ruhe arbeiten zu lassen. Es ist wichtiger,&lt;br /&gt;
Hindernisse abfallen zu lassen, als auf Neues zuzustreben. Diese&lt;br /&gt;
Situation der zeitweiligen Desorientiertheit braucht viel Schutz und&lt;br /&gt;
Sympathie, und die kann der Therapeut geben.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;So können wir uns&lt;br /&gt;
auf den persönlichen Kontakt mit anderen Menschen und auf die eigenen&lt;br /&gt;
Ängste, Bedürfnisse und die zugrundeliegende Trauer einlassen. Diese&lt;br /&gt;
Zustände befinden sich in jedem von uns dicht unter der Oberfläche,&lt;br /&gt;
egal wie kraftvoll wir uns äußerlich geben. Mit diesen Mitteln kann&lt;br /&gt;
eine gewisse Entspannung der mit der Egozentrik einhergehenden Angst&lt;br /&gt;
durch Therapie eingeleitet werden. Die an die Lebenslüge geheftete&lt;br /&gt;
Energie wird frei. Diese dient dann als Grundlage, um uns den&lt;br /&gt;
transpersonalen Ebenen zu öffnen, die wir in der Religion finden. Es&lt;br /&gt;
funktioniert nicht, seine gewöhnliche Persönlichkeit zu transzendieren,&lt;br /&gt;
ohne vorher eine gesellschaftlich gesehen gesunde Persönlichkeit&lt;br /&gt;
entwickelt zu haben. Der geistige Anführer der transpersonalen&lt;br /&gt;
Psychologie Ken Wilber unterscheidet dazu zwischen den Begriffen der&lt;br /&gt;
Präpersonalität und der Transpersonalität. Damit will er sagen, daß der&lt;br /&gt;
Weg zur Transzendenz der gewöhnlichen Personalität nur durch den&lt;br /&gt;
Zustand der Personalität hindurchgehen kann, zu der auch die volle&lt;br /&gt;
Entfaltung des begrifflichen Denkens gehört. Nur auf der Basis einer&lt;br /&gt;
stabilen Persönlichkeit kann eine Loslösung von konventionellen&lt;br /&gt;
Vorstellungen über die Person erfolgen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Viele Menschen, die&lt;br /&gt;
sich für Esoterik interessieren, wollen aber eigentlich nur so schnell&lt;br /&gt;
es geht ihre Person loswerden, da jedes Erwachsenwerden mit&lt;br /&gt;
Verantwortung und Leid verbunden ist. Das ist nicht der buddhistische&lt;br /&gt;
Weg. Besser ist es, wenn eine instabile Persönlichkeit sich mit&lt;br /&gt;
therapeutischen Mitteln erst einmal „findet” und eine gewisse&lt;br /&gt;
Entspannung und Linderung erfährt, bevor sie sich dann der Religion&lt;br /&gt;
zuwendet.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ken Wilber weist auch darauf hin, daß jede&lt;br /&gt;
Entspannung und Linderung unseres neurotischen Leidens eine bessere&lt;br /&gt;
Grundlage für die Meditation und die buddhistische Praxis bedeutet.&lt;br /&gt;
Entspannung hat schon etwas mit dem Loslassen des festen egozentrischen&lt;br /&gt;
Griffs zu tun. Das ist bereits ein Schritt in Richtung Spiritualität.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Mit&lt;br /&gt;
Hilfe der Therapie können wir zumindest die narzißtische Verhärtung ein&lt;br /&gt;
wenig auflösen und uns dann mit mehr Energie und Ehrlichkeit dem&lt;br /&gt;
Buddhismus und der Meditation hingeben. Wenn wir uns darauf einlassen,&lt;br /&gt;
sollten wir aber in Ruhe prüfen und uns auf Weisheitslehren einlassen,&lt;br /&gt;
die gewissermaßen einen echten Markennamen und eine geprüfte Tradition&lt;br /&gt;
haben, anstatt jeder selbstgemachten neuen Lehre kritiklos zu folgen.&lt;br /&gt;
Die Zweifel, die viele Therapeuten an Meditationstechniken hegen, sind&lt;br /&gt;
nicht ganz unbegründet, wenn man sieht, wie viele mangelhaft&lt;br /&gt;
ausgebildete „Meditationslehrer” es gibt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der Beginn einer echten Begegnung von Buddhismus und Therapie&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Viele&lt;br /&gt;
Therapeuten öffnen sich heute aber auch zurecht qualifizierten&lt;br /&gt;
Meditationsmethoden, die eine echte Hilfe sein können, und beziehen&lt;br /&gt;
diese in ihre Arbeit ein. Zunehmend wird auch erkannt, daß Meditation&lt;br /&gt;
keineswegs immer unanalytisch ist. Freud hat die Meditation noch als&lt;br /&gt;
Regression aufgefaßt, d.h. als den Rückzug in einen kindlich-unbewußten&lt;br /&gt;
Zustand. Er verglich die östlichen Lehren mit dem Versuch, in den&lt;br /&gt;
Mutterleib zurückzukriechen, also in eine Symbiose einzutreten. In&lt;br /&gt;
einer Schrift gab er zu, daß ihm die indische Geisteswelt angst machen&lt;br /&gt;
würde und verglich sie mit einem Dschungel.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Diese Einstellung&lt;br /&gt;
lag wohl an ungenügenden Möglichkeiten, diese Lehren authentisch&lt;br /&gt;
kennenzulernen. Meditation - wie ich sie gelehrt bekommen habe - ist&lt;br /&gt;
eine sehr genaue Wissenschaft. Es werden präzise verschiedene Stufen&lt;br /&gt;
beschrieben, und die begriffliche Analyse dient dabei der tieferen&lt;br /&gt;
Erfahrung als unverzichtbare Grundlage. Wer das begriffliche Denken von&lt;br /&gt;
vornherein ausschließt, kann das Endziel des Überbegrifflichen sicher&lt;br /&gt;
nicht erfahren.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Langsam merken nun auch Therapeuten, daß&lt;br /&gt;
Meditation keineswegs dieses diffuse „alles Vergessen” bedeutet, als&lt;br /&gt;
das es oft, wahrscheinlich aufgrund von Ängsten vor dem eigenen&lt;br /&gt;
Inneren, diffamiert wurde. Die Anwesenheit großer asiatischer Lehrer im&lt;br /&gt;
Westen hat den Austausch befruchtet. Es findet bereits ein reger&lt;br /&gt;
Austausch zwischen Therapien und dem Buddhismus statt. Einigen&lt;br /&gt;
therapeutischen Richtungen, wie etwa der Gestalttherapie, scheint&lt;br /&gt;
dieser Dialog leichter zu fallen als anderen, bei denen noch viele&lt;br /&gt;
Vorurteile zu klären sind.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Eine Therapierichtung, die einen&lt;br /&gt;
Klienten lediglich wieder für sein normales Berufsleben&lt;br /&gt;
funktionstüchtig machen möchte, wird sich weniger ernsthaft mit&lt;br /&gt;
tieferen Aspekten der Spiritualität auseinandersetzen. Früher stand&lt;br /&gt;
auch das exzentrische Ausleben von Gefühlen im Mittelpunkt einiger&lt;br /&gt;
Therapien. In letzter Zeit scheint aber deutlich geworden zu sein, daß&lt;br /&gt;
das bloße Ausleben der Emotionen nicht das leztliche Ziel der Therapie&lt;br /&gt;
sein kann. Das bloße „Herauslassen” von Schmerz und Aggression erweist&lt;br /&gt;
sich nicht als Heilung. Es ist notwendig, Bewußtheit zu entwickeln.&lt;br /&gt;
Letztlich kommt man heute offenbar zu traditionellen Werten wie der&lt;br /&gt;
Demut, der Ethik, Freigebigkeit, Geduld und des Mitgefühls zurück, wenn&lt;br /&gt;
man die gesunde Persönlichkeit definiert. Diese Werte, die früher sehr&lt;br /&gt;
kritisch gesehen wurden, erleben eine Art Renaissance und damit erfolgt&lt;br /&gt;
eine Annäherung an die Religion.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Überhaupt läßt die arrogante&lt;br /&gt;
westlich-eurozentrische Haltung der Therapeuten in bezug auf andere&lt;br /&gt;
Geisteslehren - wahrscheinlich auch aufgrund der zunehmenden Skepsis&lt;br /&gt;
gegenüber der eigenen Kultur - spürbar nach. Erik Erikson schrieb noch,&lt;br /&gt;
daß wir in den letzten 50 Jahren mehr über den Geist in Erfahrung&lt;br /&gt;
gebracht hätten, als alle Generationen vor uns. Das ist natürlich eine&lt;br /&gt;
extreme Übertreibung und mißachtet völlig die Erfahrungen der östlichen&lt;br /&gt;
Weisheitslehren. Die Öffnung zu anderen Kulturen sollte allerdings&lt;br /&gt;
nicht zu einer kritiklosen Verherrlichung der Kulte von Naturreligionen&lt;br /&gt;
führen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Freuds skeptische Einstellung zur Religion überhaupt&lt;br /&gt;
und seine Einschätzung des Nirvanas als einer Regression hat&lt;br /&gt;
Psychotherapeuten - vor allem der Psycho-analytischen Schule - sehr&lt;br /&gt;
geprägt. Auch Wissenschaftler haben in der Vergangenheit buddhistische&lt;br /&gt;
Konzepte sehr nihilistisch interpretiert. Durch den direkten Kontakt&lt;br /&gt;
mit praktizierenden Buddhisten und eine bessere Quellenlage scheint&lt;br /&gt;
sich heute ein realistischeres und positiveres Bild des Buddhismus&lt;br /&gt;
durchzusetzen. Die tibetischen Lamas, allen voran der Dalai Lama mit&lt;br /&gt;
seiner präzisen Terminologie, haben dazu viel beigetragen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;In&lt;br /&gt;
dem Maße, wie sich die Grenzen der Psychotherapie zeigten, wuchsen die&lt;br /&gt;
Hoffnungen auf östliche Weisheitslehren. Ein Mittelweg zwischen dem&lt;br /&gt;
bloßen Ausleben von Emotionen und deren Verdrängung wird zunehmend&lt;br /&gt;
akzeptiert. Er besteht m.E. darin, sich die verdrängten Emotionen in&lt;br /&gt;
einem geschützen Raum bewußt anzusehen, sie eventuell dort auch&lt;br /&gt;
auszuagieren, aber mit dem letztlichen Ziel über destruktive&lt;br /&gt;
Leidenschaften hinauszugehen. Buddhistische Meditation besteht auch&lt;br /&gt;
tatsächlich nicht in der Verdrängung der Leidenschaften, sondern in&lt;br /&gt;
deren genauen Beobachtung, ohne sie aber sich destruktiv auswirken zu&lt;br /&gt;
lassen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die letztliche Ausrichtung von Therapeuten, die sich&lt;br /&gt;
mit Buddhismus beschäftigen, wird spirituell sein. Sie werden dadurch&lt;br /&gt;
ein anderes Potential an Liebe und Weisheit in ihren Klienten sehen als&lt;br /&gt;
andere Therapeuten. Der Hauptstrom der westlichen Therapie scheint sich&lt;br /&gt;
auch zunehmend Problemen zuzuwenden, die den buddhistischen Ansätzen&lt;br /&gt;
näher stehen, als etwa Freuds einseitige Betonung der Sexualität.&lt;br /&gt;
Probleme in diesem Bereich werden heute mehr im Zusammenhang einer&lt;br /&gt;
generellen Entfremdungsproblematik diskutiert. Fragen des&lt;br /&gt;
Ich-Begriffes, der Beziehung, des Narzißmus und der Hemmung des Herzens&lt;br /&gt;
stehen etwa schon bei Horney und Fromm im Mittelpunkt.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Immer&lt;br /&gt;
weniger wird Freuds Auffassung geteilt, daß die menschliche Entwicklung&lt;br /&gt;
bereits in frühen Lebensjahren unabdingbar vorgezeichnet und keine&lt;br /&gt;
grundsätzliche Veränderung mehr möglich ist. Das wäre für die Lehre des&lt;br /&gt;
Buddhismus auch absurd, die eine Entwicklung im gesamten Leben und&lt;br /&gt;
darüber hinaus für möglich hält. Auch Freuds Neigung,&lt;br /&gt;
Entwicklungsphasen, wie etwa die orale oder anale Phase mit der&lt;br /&gt;
Verlagerung materieller Teilchen zu erklären, wird heute selten&lt;br /&gt;
geteilt. Die geistige Gewichtung als Hauptfaktor für das Entstehen&lt;br /&gt;
dieser Phasen anzusehen, bedeutet eine Annäherung an buddhistische&lt;br /&gt;
Entwicklungsmodelle. Mittlerweile gibt es bereits explizit&lt;br /&gt;
transpersonale Richtungen der Therapie, wie sie beispielsweise von Ken&lt;br /&gt;
Wilber vertreten werden. Diese nehmen die spirituellen Ziele der&lt;br /&gt;
mystischen Religionen sehr ernst. Die Freudsche Therapie hatte nach&lt;br /&gt;
einem Zitat des Gründers als höchstes Ziel „das unerträgliche&lt;br /&gt;
neurotische Leiden in das normale Leiden des Alltags zu überführen.”&lt;br /&gt;
Hier hat der Buddhismus, dem oft Negativität vorgeworfen wurde, eine&lt;br /&gt;
viel weitergehende positive Ausrichtung, die zunehmend für realistisch&lt;br /&gt;
gehalten wird. Der Dharma stellt Mittel zur Verfügung, alle Leiden zu&lt;br /&gt;
beseitigen und ein dauerhaftes Glück möglich zu machen. Das ist eine&lt;br /&gt;
inspirierende Vision für moderne Strömungen der Therapie.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die&lt;br /&gt;
Einsichten C.G. Jungs bilden eine geeignete Brücke zum Verständnis der&lt;br /&gt;
Visualisationstechniken des buddhistischen Tantra. Wenn Jung auch nicht&lt;br /&gt;
zwischen transpersonalen und mehr regressiven inneren Bildern&lt;br /&gt;
unterschieden hat, so hat er doch eine Tür geöffnet, um den Schatz der&lt;br /&gt;
Symbolik für die Therapie wirksam zu machen und die Therapie für die&lt;br /&gt;
Religion zu öffnen. Das heute oft praktizierte katathyme Bilderleben&lt;br /&gt;
kann Menschen mit der Kraft ihrer inneren nicht begrifflichen Welt&lt;br /&gt;
wieder mehr in Kontakt bringen und auftantrische Visualisation&lt;br /&gt;
vorbereiten. Viele Menschen im Westen sind fast ausschließlich&lt;br /&gt;
begrifflich ausgerichtet und haben kein Gefühl für die Wirksamkeit&lt;br /&gt;
innerer Bilder. Durch therapeutische Meditationstechniken wie innere&lt;br /&gt;
Reisen etc. ist es möglich, wieder in Kontakt mit diesen Ebenen des&lt;br /&gt;
Geistes zu kommen und daraufhin auch offener für die tantrische&lt;br /&gt;
Bildersprache zu werden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Dabei scheint die Ausrichtung der&lt;br /&gt;
buddhistischen Bilder mehr die Strategie zu verfolgen, positive Bilder&lt;br /&gt;
mit dem Geist zu verbinden, während in der Therapie meist zunächst die&lt;br /&gt;
negativen inneren Bilder der verwirrten Psyche betrachtet werden. Das&lt;br /&gt;
entspricht der Grundausrichtung des Buddhismus, in der Gegenwart&lt;br /&gt;
konstruktiv und mit heilsamen Vorstellungen auf den Geist einzuwirken&lt;br /&gt;
und nicht so sehr das Augenmerk auf die negativen Erfahrungen der&lt;br /&gt;
Vergangenheit zu richten. Viele Therapeuten folgen heute diesem Ansatz,&lt;br /&gt;
indem sie den Kontakt mit der Gegenwart in den Mittelpunkt der Arbeit&lt;br /&gt;
stellen und nicht das Bemühen um die Erinnerung an die Vergangenheit.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der&lt;br /&gt;
Buddhismus stellt aufgrund seiner hohen Rationalität eine Art&lt;br /&gt;
Wissenschaft des Geistes dar und ist damit eine ideale Brücke zwischen&lt;br /&gt;
den Religionen und den Wissenschaften. Sowohl die Wissenschaft als auch&lt;br /&gt;
der Buddhismus bemühen sich um Aufrichtigkeit und Vorurteilslosigkeit.&lt;br /&gt;
Der Buddha lobte stets die kritische Prüfung und empfahl seinen&lt;br /&gt;
Schülern, seine Aussagen nicht einfach hinzunehmen, sondern sie auf&lt;br /&gt;
ihren Wert zu prüfen, wie man Gold mit Brennen, Schneiden und Feilen&lt;br /&gt;
prüft. Der Buddha forderte auch, sich nicht nach einer Person&lt;br /&gt;
auszurichten, sondern nach dem Inhalt ihrer Rede, den man am besten in&lt;br /&gt;
der Erfahrung geprüft hat. Eine solche quasi wissenschaftliche&lt;br /&gt;
Herangehensweise ist heute für viele Wissenschaftler interessanter, als&lt;br /&gt;
die oft starren Überlieferungen mehr glaubensorientierter Systeme.&lt;br /&gt;
Buddhisten und Wissenschaftler finden zumeist sehr schnell eine&lt;br /&gt;
gemeinsame Sprache.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wichtig ist, daß die Religionen die von&lt;br /&gt;
ihnen verwendeten Symbole vernünftig auslegen und nicht einfach&lt;br /&gt;
naiv-fundamentalistisch als historische Wahrheiten behaupten. Der&lt;br /&gt;
Glaube an die wörtliche Bedeutung der oft poetischen Geschichten und&lt;br /&gt;
Legenden der Weltreligionen bildet ein Hindernis für den Dialog mit den&lt;br /&gt;
Wissenschaften.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ein weiterer erfreulicher Hinweis auf das&lt;br /&gt;
zunehmende Verständnis zwischen den Dharmapraktizierenden und den&lt;br /&gt;
Therapeuten besteht in dem besseren Verständnis der Lehre von der&lt;br /&gt;
Selbstlosigkeit. Richtig verstanden kann man bemerken, daß die von der&lt;br /&gt;
Therapie gewünschte „Ich-Stärke” und die Erkenntnis der buddhistischen&lt;br /&gt;
„Selbstlosigkeit” keineswegs im Gegensatz stehen. In beiden Fällen&lt;br /&gt;
entwickelt eine Person Eigenschaften der Lebendigkeit, Toleranz, Freude&lt;br /&gt;
und Kraft. Es wird deutlich, daß man zwar sehr verschiedenes Vokabular&lt;br /&gt;
benutzt, es sich in der Praxis aber um einen Schein-Gegensatz handelt.&lt;br /&gt;
Im persönlichen Austausch sind solche Mißverständnisse sicher zu klären.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Das&lt;br /&gt;
noch vor einigen Jahrzehnten kaum vorhandene Interesse der heutigen&lt;br /&gt;
Therapeuten an den Themen Tod und Karma bildet einen weiteren&lt;br /&gt;
Annäherungspunkt an den Dharma. Dharma geht über Therapie hinaus Im&lt;br /&gt;
letzten Abschnitt habe ich versucht, deutlich zu machen, an welchen&lt;br /&gt;
Punkten bereits eine intensive Begegnung von Therapie und Buddhismus&lt;br /&gt;
stattfindet. Abschließend möchte ich jedoch daraufhinweisen, daß ich&lt;br /&gt;
nicht glaube, daß es sich dabei um die gleichen und damit&lt;br /&gt;
austauschbaren Dinge handelt. Mit Hilfe der Therapie kann man frei für&lt;br /&gt;
den Dharma werden, aber sie geht in ihrem Anspruch nicht so weit wie&lt;br /&gt;
die Religion und verfügt auch nicht über die Mittel dazu. Die Therapie&lt;br /&gt;
kann viel leisten, um den Boden zu bereiten, sie weist aber bisher&lt;br /&gt;
nicht den Wegjenseits des Egos bzw. zur endgültigen Befreiung, wie er&lt;br /&gt;
in den großen Traditionen der Weltreligionen gewiesen wird.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der&lt;br /&gt;
Buddhismus ist - wie ich schon sagte - viel visionärer als jede&lt;br /&gt;
Therapie, die wir bisher kennen. Er vertritt die Ansicht, daß der&lt;br /&gt;
Mensch zu einem endgültig Guten fähig ist, daß er sich an grenzenlose&lt;br /&gt;
Tugend gewöhnen kann und daß die Unwissenheit nicht die eigentliche&lt;br /&gt;
Natur des Geistes ist. Jedes Wesen besitzt demnach die Buddha-Natur.&lt;br /&gt;
Danach ist das Leiden und die Verwirrung des Geistes in einem längeren&lt;br /&gt;
Prozeß der Umgewöhnung mit Hilfe der Weisheit beseitigbar. Dabei ist&lt;br /&gt;
eine Entwicklung ins Unermeßliche möglich, weil die korrekten Mittel&lt;br /&gt;
des Dharma - da sie der Realität entsprechen - letztlich stärker sind&lt;br /&gt;
als alle Verwirrung und bei fortschreitender Gewöhnung die Ausübung des&lt;br /&gt;
Heilsamen zunehmend müheloser wird. Es ist keineswegs mit Narzißmus zu&lt;br /&gt;
verwechseln, wenn man an diese Entwicklungsmöglichkeiten des&lt;br /&gt;
Individuums glaubt. Es geht ja auch gerade um eine Transzendierung der&lt;br /&gt;
Egozentrik, die solche Fähigkeiten möglich macht, nicht um die&lt;br /&gt;
Perfektionierung des Egos. Allerdings braucht dieser Prozeß seine Zeit.&lt;br /&gt;
Aus buddhistischer Sicht geht dieser Prozeß über viele Leben hinweg.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Mit&lt;br /&gt;
dieser Perspektive sprengt die buddhistische Entwicklungsvorstellung&lt;br /&gt;
natürlich therapeutische Zielvorstellungen. Nach Freud bleibt z.B. das&lt;br /&gt;
Ich stets ein Spielball der Kräfte des Es und des Uber-lchs und ist zu&lt;br /&gt;
grenzenloser Liebe nicht fähig. Somit sind nach dieser Vorstellung der&lt;br /&gt;
Entwicklung enge Grenzen gesetzt. Nach der buddhistischen Lehre ist es&lt;br /&gt;
auch nicht notwendig, aus dieser Welt zu flüchten oder in irgendein&lt;br /&gt;
jenseitiges Paradies zu kommen, um Befreiung zu erzielen. Man muß auch&lt;br /&gt;
nicht darauf warten, daß die gesamte Menschheit zur Vernunft kommt und&lt;br /&gt;
politisch ein Friedensreich schafft. Wenn der eigene Geist von den&lt;br /&gt;
Leidenschaften, d.h. den verwirrten Emotionen, befreit ist, dann kann&lt;br /&gt;
man in dieser Welt ein glückseliges und befreites Leben führen, da&lt;br /&gt;
Nirvana kein Ort ist, sondern eine Perspektive des Geistes. Positive&lt;br /&gt;
Emotionen werden sich in diesem Zustand frei entfalten können.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die&lt;br /&gt;
buddhistische Geistesschulung kennt eine über Jahrtausende&lt;br /&gt;
verifizierte, sehr tiefe Methodik, um diese Ziele zu erreichen. In&lt;br /&gt;
diesem Umfang sind diese Möglichkeiten in unserer Kultur noch gar nicht&lt;br /&gt;
bewußt geworden. Die Lehren gehen auf die Erfahrung von erleuchteten&lt;br /&gt;
Wesen zurück, die aus unmittelbarer Anschauung lehren und nicht&lt;br /&gt;
lediglich philosophische Meinungen und Spekulationen aufgestellt haben.&lt;br /&gt;
Dieses Wissen geht über jedes wissenschaftliche Wissen hinaus, das&lt;br /&gt;
letztlich immer in Frage gestellt werden kann. Wenn man sich auf die&lt;br /&gt;
Experimentierbedingungen des Dharma einläßt, wird man diese Erfahrungen&lt;br /&gt;
völlig unbezweifelbar verifizieren können. Wenn man allerdings nur von&lt;br /&gt;
außen betrachtet, ist keine Erfahrung möglich, da religiöse Erfahrung&lt;br /&gt;
die Person als Ganzes umfaßt, nicht nur ihren Verstand.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Auch&lt;br /&gt;
wenn Therapeuten die letztlichen Ziele der Religion nicht teilen&lt;br /&gt;
können, brauchen sie m.E. in jedem Fall eine gewisse spirituelle&lt;br /&gt;
Erfahrung, um dem Klienten helfen zu können. Wenn der Therapeut nicht&lt;br /&gt;
ein gewisses Maß an Offenheit und Wohlsein erlangt hat und somit&lt;br /&gt;
Vertrauen und Liebe ausstrahlen kann, wird das wesentliche Element der&lt;br /&gt;
Heilung fehlen. Die persönliche Entwicklung des Therapeuten ist somit&lt;br /&gt;
unabdingbar. Er ist keine objektive Instanz, die sich der persönlichen&lt;br /&gt;
Beziehung zum Klienten entziehen könnte. Beide stehen in einer&lt;br /&gt;
wechselseitigen Beziehung, aus der beide verändert hervorgehen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der&lt;br /&gt;
Buddhismus vertritt die Vision, daß der Narzißmus und der Schmerz nicht&lt;br /&gt;
nur aufgedeckt, sondern völlig überwunden werden können. Es findet&lt;br /&gt;
sozusagen das Ende der Therapie statt. Damit geht er über die Therapie&lt;br /&gt;
weit hinaus. Das ist möglich, weil er die Frage stellt, wer der&lt;br /&gt;
Erlebende des Schmerzes letztlich ist. Wenn man in diese Frage sehr&lt;br /&gt;
tief hineingeht, dann kann man selbst Leiden und Rückstände&lt;br /&gt;
traumatischer Erfahrungen transzendieren. Die Möglichkeit zu einer&lt;br /&gt;
solchen umfassenden Heilung wird deutlich, wenn man die Darlegung des&lt;br /&gt;
Buddhismus zur endgültigen Realität des Ichs und der Phänomene&lt;br /&gt;
verstanden hat. Einige Therapeuten beschäftigen sich heute zunehmend&lt;br /&gt;
mit dem Ich-Begriff und nahem sich buddhistischen Positionen an. So&lt;br /&gt;
erläutert der Gestalt-Therapeut Hans-Peter Dreitzel das Ich aus einem&lt;br /&gt;
ständigen Kontaktprozeß heraus. Es ist nicht fixiert und beständig,&lt;br /&gt;
sondern es befindet sich immer an der Kontaktgrenze zwischen Außen- und&lt;br /&gt;
Innenwelt, die stets fließend ist und in einem Zusammenhang existiert.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Diese&lt;br /&gt;
Darlegungen erreichen noch nicht die Präzision der buddhistischen&lt;br /&gt;
Darlegungen, die in 2500 Jahren von den klügsten Geistern Asiens&lt;br /&gt;
herausgearbeitet wurden, aber sie sind ein Schritt in eine&lt;br /&gt;
vergleichbare Richtung. Der indische Buddhismus hat vor allem in&lt;br /&gt;
Nagarjunas Madhyamika-Philosophie eine solche Brillanz in der Klärung&lt;br /&gt;
der Ich-Frage hervorgebracht, daß sich auch die westliche Philosophie&lt;br /&gt;
damit nicht messen kann. Da gibt es für diese Fragen eine genaue&lt;br /&gt;
Terminologie in bezug auf das sogenannte Objekt der Negation der&lt;br /&gt;
Selbstlosigkeit, es gibt mannigfaltige Untersuchungsmethoden,&lt;br /&gt;
Syllogismen und Meditationsanweisungen auf vielen Ebenen in bezug auf&lt;br /&gt;
viele Denkschulen. Es lohnt sich bestimmt für die Therapie und die&lt;br /&gt;
westliche Philosophie, aus diesem Schatz der Weisheit zu schöpfen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ein&lt;br /&gt;
Mißverständnis scheint mir zu sein, wenn esoterisch interessierte&lt;br /&gt;
Therapeuten heute meinen, man müßte ein sogenanntes „Höheres Selbst”&lt;br /&gt;
entfalten. Es gibt aus buddhistischer Sicht kein „Höheres Selbst”. Es&lt;br /&gt;
geht nur darum, die Projektionen über ein künstlich vorgestelltes&lt;br /&gt;
Selbst zu beseitigen. Dann wird uns das Ich so erscheinen, wie es&lt;br /&gt;
existiert. Das Ich wird also vom Buddha weder vernichtet noch erst&lt;br /&gt;
hervorgebracht. Er erläutert lediglich, wie es schon immer existiert&lt;br /&gt;
hat. Das persönliche Ich-Gefühl ist dann zweifellos angenehmer, aber es&lt;br /&gt;
ist nicht ein neues Ich geschaffen oder ein beständiger göttlicher Kern&lt;br /&gt;
ermittelt worden. Der Buddha hat einen solchen festen Kern in seiner&lt;br /&gt;
Nicht-Atman Philosophie im Widerspruch zum Hinduismus ausdrücklich&lt;br /&gt;
verneint. Der Buddha machte deutlich, welche Projektionen wir auf das&lt;br /&gt;
Ich legen. Wenn diese Projektionen erkannt und verneint werden, dann&lt;br /&gt;
erfährt man das Ich korrekt. Die genaue Mitte zu finden zwischen dem,&lt;br /&gt;
was an dem Ich existiert und nicht existiert, ist nur durch sehr genaue&lt;br /&gt;
Analysen möglich.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Diese Analysen wird man nur dann wirklich&lt;br /&gt;
nachvollziehen können, wenn der Geist die entsprechende heilsame Kraft&lt;br /&gt;
hat, die man durch religiöse Übungen wie Gebet, Meditation und&lt;br /&gt;
mitfühlende Handlungen ansammelt. Aus buddhistischer Sicht ist diese&lt;br /&gt;
mystische Intelligenz. die in einer unmittelbaren Erfahrung gipfelt,&lt;br /&gt;
nur durch die Ansammlung vieler günstiger Bedingungen möglich. Allein&lt;br /&gt;
mit angestrengtem Nachdenken ist die Erfahrung nicht herbeiführbar.&lt;br /&gt;
Solange sich Wissenschaftler und Therapeuten nicht auf diese&lt;br /&gt;
ganzheitliche Praxis einlassen besteht wenig Aussicht, daß sie die&lt;br /&gt;
tiefen Erfahrungen der großen Mystiker der Menschheit nachvollziehen&lt;br /&gt;
können. Man wird gar nicht den Mut haben, nach der analytischen Arbeit&lt;br /&gt;
„loszulassen” und eine Erfahrung zuzulassen, die das egozentrische&lt;br /&gt;
Greifen und den Wunsch, mit seiner Erkenntnis glänzen zu wollen,&lt;br /&gt;
transzendiert.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich aber auf eine vollständige Praxis&lt;br /&gt;
einläßt, kann man sogar reif werden für das Gottheiten-Yoga in der&lt;br /&gt;
tantrischen Wissenschaft und aktiv in das Energiesystem des Körpers&lt;br /&gt;
eingreifen, das mit dem Geist eine Einheit bildet. Diese Übungen&lt;br /&gt;
stellen meiner Meinung nach die letztlichen und höchsten Formen der&lt;br /&gt;
mystischen Schulungswege, wie sie heute noch auf der Welt bestehen,&lt;br /&gt;
dar. Diese Praktiken werden solange mißverstanden werden, wie die&lt;br /&gt;
Grundlagen der buddhistischen Philosophie und die Erklärungen zur&lt;br /&gt;
Selbstlosigkeit und Buddhaschaft noch weitgehend unbekannt sind.&lt;br /&gt;
Entscheidend wird die Entwicklung einer guten Motivation als Grundlage&lt;br /&gt;
dieser effektiven Schulungen sein.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Ausblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Zum Abschluß möchte ich meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, daß die&lt;br /&gt;
Begegnung von Therapie und Buddhismus nicht irgendeine kurzfristige&lt;br /&gt;
Mode ist. Das kann man daran festmachen, daß sie immer tiefer werden&lt;br /&gt;
wird, je mehr man sich damit beschäftigt. Moden sind im Gegenteil immer&lt;br /&gt;
nur kurzfristig interessant. Sobald man tiefer hineingeht, wird es&lt;br /&gt;
fader und langweiliger. Das ist bei wirklich tiefgründigem Wissen&lt;br /&gt;
anders. Je mehr man dort hineingeht, um so mehr wird man entdecken, um&lt;br /&gt;
so wertvoller wird es. Das wird in dieser Hinsicht bestimmt der Fall&lt;br /&gt;
sein, wenn man sich die Mühe macht. Es ist eine tiefe Begegnung&lt;br /&gt;
zwischen dem Buddhismus und den anderen Religionen sowie der&lt;br /&gt;
Wissenschaft, vor allem in der Form von Psychologie, Medizin, Pädagogik&lt;br /&gt;
und Physik, möglich. Und es ist auch unbedingt erforderlich, daß sich&lt;br /&gt;
in einer Person die Qualitäten dieser Überlieferungen vereinen, damit&lt;br /&gt;
im nächsten Jahrhundert glücklichere Menschen leben werden, als in&lt;br /&gt;
diesem zu Ende gehenden tragischen Jahrhundert. Da wir sowohl&lt;br /&gt;
körperliches als auch geistiges Glück anstreben und brauchen, wäre es&lt;br /&gt;
das Wünschenswerteste, wenn sich in den Menschen das wissenschaftliche&lt;br /&gt;
Wissen und das mystische Wissen vereinen.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Dies&lt;br /&gt;
ist eine große Vision, die z.B. auch Carl-Friedrich von Weizsäcker im&lt;br /&gt;
Gespräch mit dem Dalai Lama einmal ausgesprochen hat. In der Begegnung&lt;br /&gt;
dieser beiden Männer, die das beste ihrer jeweiligen Traditionen&lt;br /&gt;
verkörpern, zeigt sich bereits ein Vorgeschmack dieses Zieles. Es ist&lt;br /&gt;
sicherlich möglich, daß diese Traditionen, die im Moment noch&lt;br /&gt;
verschiedene Ausdrucksweisen haben, weil sie an verschiedenen Orten und&lt;br /&gt;
zu unterschiedlicher Zeit entstanden, gemeinsame Werte finden. In einem&lt;br /&gt;
gemeinsamen Dialog wird man erkennen, daß man - wie beispielsweise in&lt;br /&gt;
der Frage der Ich-Stärke und der Selbstlosigkeit - gar nicht so weit&lt;br /&gt;
auseinander liegt und daß man das gleiche für wünschenswert hält.&lt;br /&gt;
Solche gemeinsamen Werte sind für unsere sich globalisierende Kultur&lt;br /&gt;
besonders wichtig. Aus meiner Erfahrung mit dem Dialog auf&lt;br /&gt;
verschiedenen Ebenen bin ich sicher, daß man sich an der Vielfalt und&lt;br /&gt;
dem Reichtum der verschiedenen Traditionen erfreuen kann, ohne sich&lt;br /&gt;
gegenseitig zu behindern, sondern indem man sich gegenseitig&lt;br /&gt;
befruchtet. Ich danke ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte Sie -&lt;br /&gt;
wenn Sie mit mir darin übereinstimmen -, für dieses Ziel zu beten und&lt;br /&gt;
aktiv zu werden.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Über den Referenten: Oliver Petersen (Gelong&lt;br /&gt;
Dschampa Tendsin) wurde 1961 in Hamburg geboren. Seit 1980 ist er&lt;br /&gt;
Schüler von Geshe Thubten Ngawang, dem Geistlichen Leiter des&lt;br /&gt;
Tibetischen Zentrums e.V. Hamburg. 1983 erhielt er die Ordinationen zum&lt;br /&gt;
buddhistischen Mönch bei Geshe Thubten Ngawang und S.H. dem XIV. Dalai&lt;br /&gt;
Lama. Er ist Magister der Tibetologie, Religionswissenschaft und&lt;br /&gt;
Philosophie an der Universität Hamburg und praktiziert als&lt;br /&gt;
Gestalttherapeut auf der Grundlage einer Ausbildung am Therapeutischen&lt;br /&gt;
Institut Berlin. Vornehmlich arbeitet er als Übersetzer, Seminar- und&lt;br /&gt;
Arbeitskreisleiter am Studienhaus des Tibetischen Zentrums in Hamburg&lt;br /&gt;
und an dessen Meditationshaus Semkye Ling in der Lüneburger Heide sowie&lt;br /&gt;
für den interreligiösen Dialog.&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Literatur:&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Epstein, Mark: Gedanken ohne den Denker. Krüger 1995&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Dreitzel, H.P.: Reflexive Sinnlichkeit. EHP 1992&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Wilber, Ken: Das Spektrum des Bewußtseins. Rowohlt 1991&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Fromm, Erich: Zen-Buddhismus und Psychoanalyse. Suhrkamp 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Riemann, Fritz: Grundformen der Angst. Reinhardt 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Moacanin, Radmilla: Jung’ s Psychology and Tibetan Buddhism.Wisdom 1986&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Leuner, Hanscarl: Katathymes Bilderleben. Thieme 1981&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Lowen, Alexander: Bioenergetik. Rowohlt 1994&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Kornfield, Jack: Frag den Buddha… Kösel 1995 Goleman, Daniel (Hrsg.): Die heilende Kraft der Gefühle, dtv 1998&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Petersen, Oliver: Die Ich-Theorie im Buddhismus. TID 1998&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 17 Jul 2009 21:27:37 +0200</pubDate>
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    <title>Papaji - The door to your self </title>
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    <author>nospam@example.com (Joe Boden)</author>
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    <pubDate>Sat, 23 May 2009 19:37:31 +0200</pubDate>
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