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Ganzheitliches Leben & Bewusstsein

Richard Gere - Sinnsucher und Sexsymbol

Geschrieben von Joe Boden • Montag, 31. August 2009 • Kategorie: Besondere Menschen, Lebensmodelle, Buddhismus
Als Richard Gere und seine damalige Frau, das Supermodel Cindy Crawford, ein
neues Haus suchten, besichtigten sie eine Fünf-Millionen-Dollar-Villa in Bel
Air. Während Crawford sofort in die Küche ging, blieb Gere im Wohnzimmer zurück,
ließ sich im Lotussitz nieder und versuchte, die Schwingungen des Raumes
aufzunehmen. So erzählte Crawford die Geschichte einem US-Magazin und sah darin
versinnbildlicht, warum die Ehe nach vier Jahren scheitern musste. Sie die
Praktikerin, er der Esoteriker, das konnte nicht gut gehen – doch das Bild
erzählt vielleicht noch mehr. Es steht für das, was Gere für viele Frauen so
anziehend macht: er bietet Köpfchen und Körper, ist Mann und versponnener Junge
zugleich, eine Mischung mit entsprechender Wirkung: Gere ist wohl das einzige
Sexsymbol, für das sich Frauen aus drei Generationen gleichzeitig begeistert
können.

Wenn Gere an diesem Montag 60 wird, hat er trotz grauer
Schläfen, Brille, leichtem Bauchansatz und Falten um die Augen an
Anziehungskraft nicht verloren. Er selbst sieht das anders. Für ein Sexsymbol
sei er inzwischen zu alt, sagte er kürzlich. Doch eigentlich hat sich Gere
ohnehin nie wirklich um sein Image als Frauenschwarm gekümmert. Er, der früher
als junger Mann eher depressiv und grüblerisch war, Jean-Paul Sartres „Das Sein
und das Nichts“ las und laut „Spiegel“ mit 21 freiwillig in eine New Yorker
Nervenklinik eincheckte aus Angst, sich selbst etwas anzutun, war mitten in der
glamourösen Filmwelt immer auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens – bis er
die Antwort im Buddhismus fand. Denn Gere ist nicht nur eines der größten
männlichen Sexsymbole, sondern gleichzeitig der in der westlichen Welt
bekannteste Buddhist nach dem Dalai Lama.

Dabei wurde Gere in eine
christliche Familie hineingeboren. Als Sohn eines Versicherungsvertreters und
einer Hausfrau wuchs er an der amerikanischen Ostküste auf, sonntags ging er
zusammen mit seinen vier Geschwistern in die Kirche. Er begeisterte sich für
Musik, lernte Klavier, Gitarre und Trompete. Doch schon damals auf Sinnsuche,
begann er zunächst ein Philosophiestudium an der Universität von Massachusetts,
das er nach zwei Jahren abbrach. Gere folgte seiner musikalischen Leidenschaft,
ging an den Broadway, wo er in mehreren Produktionen mitspielte und dann ans
Theater wechselte. Als er in dem Stück „Bent“ einen Homosexuellen in einem
deutschen Konzentrationslager spielte, wurde er sogar mit dem jungen Marlon
Brando verglichen.

Doch beim Film blieb der Erfolg zunächst aus, mit
seiner ersten Rolle in „Report to the Commissioner“ landete er einen Flop. Aber
dann gelang ihm 1980 der Durchbruch mit „American Gigolo“. In dem Film, der in
Deutschland unter dem Titel „Ein Mann für gewisse Stunden“ bekannt ist, spielt
Gere einen 1000-Dollar-Callboy, der einsamen Ehefrauen reicher Männer immer noch
ein bisschen mehr als den perfekten Orgasmus bot – er versprach Romantik und
Geheimnis, stand für Verführung und die Suche nach der Erlösung.

In
„Pretty Woman“, 1990 nach „Ein Offizier und ein Gentleman“ sein dritter
Riesenerfolg, lässt er sich als Finanzhai Edward Lewis von der Prostituierten
Vivian Ward verführen, holt sie mit Kreditkarten, Privatjet und Limousine aus
dem Untergrund in die Upper-Class, und am Ende erlösen sich beide durch ihre
gegenseitige Liebe. Ein modernes Märchen, das mädchenhafte Sehnsüchte nach einem
Prinzen befriedigt (produziert wurde „Pretty Woman“ übrigens von den Walt Disney
Studios).

Gere und Julia Roberts, mit der er 1999 noch einmal in der
romantischen Komödie „Die Braut, die sich nicht traut“ einen Hit landete, waren
ein Dream-Team, das noch heute gerne für Mädchen-Runden mit DVD und Prosecco auf
dem Bildschirm reaktiviert wird. Auch wenn Gere in seinen mehr als 40 Filmen –
beispielsweise als betrügerischer Sir Lanzelot in „Der erste Ritter“ oder
rampenlichtsüchtiger Anwalt in „Zwielicht“ – immer wieder andere Charaktere
verkörperte und 2003 für seine Rolle in der Musical-Komödie „Chicago“ den Golden
Globe erhielt, bleibt doch immer die Rolle des einfühlsamen Verführers an ihm
kleben.

Gere machte aber auch durch politisches Engagement auf sich
aufmerksam. Immer wieder reiste er nach Tibet, setzte sich in Meinungsbeiträgen,
die auch im Tagesspiegel veröffentlicht wurden, für die Tibeter und den im Exil
lebenden Dalai Lama ein. 1993 nutzte er die Oscar-Verleihung für eine Rede zur
Freiheit der unterdrückten Region und machte sich damit in China keine Freunde.
„Mir ist es nie um Geld und Ruhm gegangen“, sagte Gere 2002 dem „Spiegel“. „Das
Ziel ist, die innere Befreiung zu erreichen.“
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