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Medizin-Weltpremiere - Zürcher Forscher erfinden HirnOP ohne Narkose dank Ultraschall

Geschrieben von Joe Boden • Mittwoch, 24. Juni 2009 • Kategorie: Alles was hilft, Wissenschaft & Forschung
Schweizer Wissenschaftler entwickelten eine Operation, die eigentlich gar keine ist: Mittels Ultraschall ist es ihnen gelungen, eine Hirn-OP durchzuführen - ohne die Schädeldecke des Patienten dabei öffnen zu müssen.

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Der Eingriff ohne Eingriff: Ultraschall-Wellen sollen es im Gehirn zukünftig richten.
(Bild: Keystone)

Es handle sich um eine Weltpremiere, teilte die Universität Zürich am Montag mit: Der sogenannten Hochenergie-Ultraschall werde zwar seit einigen Jahren bereits in der Gynäkologie und bei Prostatatumoren eingesetzt, um erkranktes Gewebe zu veröden. Doch bislang war es unmöglich, das Verfahren durch die Schädeldecke hindurch anzuwenden.

Eine Forschungsgruppe um Daniel Jeanmonod von der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals Zürich und Ernst Martin vom Magnetresonanz-Zentrum der Universitäts-Kinderklinik hat nun ein Verfahren entwickelt, das gänzlich nicht-invasive Hirnoperationen ermöglicht.

Eingriff ohne Narkose

Seit September 2008 wurden damit in einer klinischen Studie zehn Erwachsene operiert. Alle Eingriffe seien erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen, heisst es im Communiqué. Die Operationen erfolgen ohne Narkose, bei vollem Bewusstsein des Patienten und können ambulant durchgeführt werden.

Die Patienten hätten unter neuropathischen Schmerzen gelitten, sagte Ernst Martin auf Anfrage. Solche Schmerzen können zum Beispiel bei querschnittgelähmten Menschen auftreten oder bei Patienten, denen eine Gliedmasse amputiert werden musste.

Hirnareale stilllegen

Aus der Peripherie gelangen bei den Betroffenen keine Signale mehr ins Hirn, was dazu führen kann, dass die dortigen Nerven Reize aussenden, die Schmerzen verursachen. Weil bekannt sei, um welche Hirnareale es sich handle, habe man sie per Ultraschall stilllegen können, sagte Martin.

In einem Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts Co-Me wollen die Forscher die Technik nun weiterentwickeln. Sie hoffen, damit künftig ein breites Spektrum von nicht-invasiven Behandlungen anbieten zu können: zum Beispiel von Hirntumoren, Schlaganfällen oder reversiblen Öffnungen der Bluthirnschranke.

Bis zu 60 Grad

Die Ultraschall-Hirnoperationen der Zürcher Forscher werden in einem klinischen, bildgebenden Magnetresonanzsystem geplant und überwacht. Laut Martin werden von insgesamt 1024 Utraschallsendern auf einer ganz bestimmten Frequenz hochenergetische Schallwellen durch die intakte Schädeldecke ins Gehirn geschickt.

Dort wird der Ultraschall in einem Brennpunkt von drei bis vier Millimetern Durchmesser konzentriert. Durch den Schall werden die festgelegten Hirnteile auf bis zu 60 Grad erhitzt und dadurch abgetötet. Der Temperaturanstieg wird während dem Eingriff auf Magnetresonanz-Wärmekarten fortlaufend präzise dargestellt und kontrolliert.

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