Die Ampel warnt vor Fett - Firma Frosta vorbildlich und Vorreiter
Geschrieben von Joe Boden • Mittwoch, 3. Juni 2009 • Kategorie: Ernährung & GesundheitHersteller die Ampel-Kennzeichnung bei Lebensmitteln ein. Der
Tiefkühlproduzent Frosta wird von August an bei seinen vier
umsatzstärksten Produkten mit Farben darüber informieren, welcher
Anteil Zucker, Fett, Fettsäuren und Salz enthalten ist.
Verbraucherschützer begrüßen den Vorstoß. Die Politik ist weiter
uneins.
"Wir tun, was die Verbraucher von uns wollen", sagte Frosta-Vorstand
Felix Ahlers. Umfragen belegten, dass die Bundesbürger eine einfache
Kennzeichnung von Lebensmitteln wünschten. Es sei überfällig, dass die
Politik in Berlin und Brüssel einheitliche, verpflichtende Regeln für
die Branche schaffe. Frosta wolle mit dem ersten Schritt erneut ein
Zeichen setzen. 2003 hatte die börsennotierte Bremerhavener Firma
Zusatzstoffe in seinen Tiefkühlgerichten abgeschafft.
Rot, gelb und grün – diese drei Farben können Verbrauchern
signalisieren, ob Fertiggerichte, Joghurt, Käse oder Wurst viel,
mittelmäßig oder wenig Fett, Zucker oder Salz enthalten. Die
Nährwert-Ampel auf der Verpackung soll komplizierte Rechnerei ersparen.
Frosta führt die Kennzeichnung trotz fehlender gesetzlicher
Verpflichtung ein. Der Tiefkühlhersteller kennzeichnet sein
umsatzstärkstes Produkt, das Asiagericht Bami Goreng, und drei weitere
Angebote mit der Ampel. Auf der Verpackung von Bami Goreng leuchten
künftig vier Ampelfarben. Bei Zucker (nur 1,2 Gramm Anteil pro 100
Gramm) und gesättigten Fettsäuren (0,7 Gramm) steht die Ampel auf grün,
also unbedenklich.
Bei Fett (3,3 Gramm) und Salz (ein Gramm) zeigt die Ampel orange, das heißt: noch akzeptabel.
Die deutsche Lebensmittelindustrie kämpft seit Jahren massiv gegen eine
verpflichtende Ampelkennzeichnung, wie sie Verbraucherschützer und
Gesundheitsexperten fordern. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen
(VZBV), Foodwatch und der AOK-Bundesverband forderten am Mittwoch in
Berlin die Bundesregierung und die EU erneut auf, die Ampel zum Gesetz
zu machen. Foodwatch-Chef Thilo Bode lobte den Vorstoß von Frosta als
wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Volkskrankheit Übergewicht.
So viel Ehrlichkeit erwarte man von allen
Lebensmittelherstellern, sagte Bode. Stattdessen verkauften "Nestlé,
Unilever & Co. verfettete und überzuckerte Produkte, verschleiern
den Nährwertgehalt und bieten als Alibi Yoga-Kurse an, damit die Kunden
ihre überzähligen Pfunde wieder loswerden". Frosta beweise, dass es
auch anders gehe und ein Hersteller seine gesellschaftliche
Verantwortung wahrnehme.
Die Politik ist wegen der Ampelkennzeichnung zerstritten. Der frühere
Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) schob das Thema auf die lange
Bank, obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung die Einführung
befürwortet und auch eigene Umfragen des Ministeriums belegten, dass 80
Prozent der Deutschen eine einfache farbliche Kennzeichnung der
Nährwerte wünschen.
Seehofers Nachfolgerin Ilse Aigner (CSU) hat bisher ebenfalls kein
großes Engagement gezeigt. Ein für heute geplanter erneuter runder
Tisch mit Experten und Verbänden wurde aus Termingründen verschoben.
Die SPD wirft Aigner Tatenlosigkeit vor. Dabei biete die derzeit in
Europa laufende Reform der Lebensmittelkennzeichnung die Chance,
verbindliche Regeln durchzusetzen. Das Ampelsystem sei leicht
verständlich, genüge wissenschaftlichen Vorgaben und ermögliche
Vergleiche innerhalb einer Produktgruppe.
Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), die
Spitzenorganisation der Branche, hält die Ampel weiterhin für "keine
gute und hilfreiche Information für Verbraucher". Die willkürliche
Bewertung von Produkten durch Markierungen lehne man ab. Ein Einfluss
auf Kauf- und Ernährungsverhalten sei "nicht ersichtlich".
Diesen Aussagen widersprechen Verbraucherschützer und Experten.
"Studien in Großbritannien zeigen, dass Verbraucher das Ampelsystem
nutzen und verstehen", betonen Foodwatch, VZBV und die AOK. Die
Farbkennzeichnung sei das beste System. In vielen Fällen täuschten die
Hersteller bisher durch die Aufmachung und Etikettierung über den
tatsächlichen Inhalt hinweg.


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