Stress, Unruhe, Schlafstörungen, Angstgefühle - Pflanzliche Präparate, die helfen können
Geschrieben von Joe Boden • Dienstag, 26. Mai 2009 • Kategorie: Alles was hilft, Ernährung & GesundheitPflanzliche Mittel (Phytopharmaka)
gewinnen bei der Behandlung psychischer Störungen zunehmend an Bedeutung. Einen
guten Überblick bietet das empfehlenswerte Buch „Angststörungen, Depressionen,
Somatisierungsstörungen. Diagnose und Therapie mit pflanzlichen Psychopharmaka“
von Faust.
Verschiedene pflanzliche Mittel
wirken beruhigend, Angst dämpfend, entspannend und schlaffördernd.
Pflanzliche Beruhigungs- und Schlafmittel haben gegenüber den chemischen
Präparaten den Vorteil, dass sie nicht zur Abhängigkeit führen, fast keine
Nebenwirkungen aufweisen, die Schlafphasen, die Leistungsfähigkeit und die
Verkehrstüchtigkeit nicht beeinträchtigen.
Beratung bei einem erfahrenen Arzt oder Apotheker in Anspruch genommen werden,
da Nebenwirkungen und Interaktionen mit anderen Medikamenten auftreten können,
worauf in den letzten Jahren vermehr hingewiesen wurde. Phytopharmaka
sind rezeptfrei erhältlich.
Die Standardisierung der Wirksamkeit
von Phytopharmaka (und damit auch die
wissenschaftliche Überprüfbarkeit) kann nur über genau definierte Extrakte
erfolgen, was nicht immer leicht ist, insbesondere dann, wenn bei der Fülle der
enthaltenen Substanzen die eigentlichen Wirksubstanzen oft gar nicht genau
bekannt sind. Wegen der besseren Dosierbarkeit und des höheren Inhalts der
entscheidenden Wirksubstanzen sind anstelle von Tees Extrakte aus Heilpflanzen
zu empfehlen.
Seit einigen Jahren werden Phytopharmaka in wissenschaftlichen Studien nach exakten Vorgaben
(standardisierte Extrakte) wie Psychopharmaka geprüft. Der empirische Nachweis
der Wirksamkeit von Johanniskraut als Mittel gegen Depressionen (vor allem
durch die Firma Lichtwer Pharma) und von Kava-Kava als Mittel gegen Angststörungen (durch die Firma
Schwabe) wurde von mittelständischen Unternehmen erbracht.
Als beruhigend
gelten folgende Pflanzen: Baldrian, Hopfen, Melisse, Johanniskraut, Kava-Kava, Passionsblume, Orangenblüte und Lavendel. Bei
Angstzuständen sind Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Kava-Kava
zu empfehlen. Bei den meisten Heilpflanzen (außer Kava-Kava)
sind die Wirksubstanzen noch unbekannt.
Wirkungsspektrum
pflanzlicher Präparate
| Pflanzliche Substanz | Verwendete Teile | Wirkung | Anwendung |
| Baldrian | Wurzel | beruhigend, schlaffördernd | Angstzustände, Schlafstörungen |
| Hopfen | Zapfen | beruhigend, schlaffördernd | Unruhe, Nervosität, |
| Melisse | Blätter | beruhigend | Einschlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden |
| Johanniskraut | Kraut | mild | depressive nervöse psychovegetative |
| Kava-Kava | Wurzelstock | Angst beruhigend, muskelentspannend | nervöse und |
| Passionsblume | Kraut | beruhigend, krampflösend | nervöse |
| Lavendel | Kraut | beruhigend | Unruhe, |
Baldrian wird bei Angstzuständen, Nervosität und
Schlafstörungen verwendet. Die erwiesene Gesamtwirkung des Baldrians beruht
nach neueren Studien auf synthetisch völlig unterschiedlichen Wirkstoffen, die
im einzelnen noch unbekannt sind.
Hopfen wird als Beruhigungsmittel bei
Unruhe, Angst- und Spannungszuständen sowie nervösen Schlafstörungen verwendet.
Die wirksamen Inhaltsstoffe wurden noch nicht gefunden. Der während der
Lagerung aus Humulon und Lupulon
entstehende Alkohol Methylbutenol ist als einer der
wirksamsten Inhaltsstoffe anzusehen, möglicherweise erfolgt auch nach der
oralen Aufnahme im Körper eine entsprechende Umwandlung aus Lupulon.
Methylbutenol zeigte im Tierversuch eine deutlich sedative Wirkung. Ausreichende Wirksamkeitsstudien beim
Menschen fehlen. Methylbutenol ist eine äußerst
flüchtige Substanz und daher in Extrakten nicht mehr vorhanden. In
Kombinationspräparaten (Hopfen mit Baldrian und/oder Melisse) kommt die sedierende Wirkung des Hopfens dagegen gut zur Geltung.
Melisse wirkt beruhigend und wird bei
nervös bedingten Einschlafstörungen, zur Appetitanregung und bei
psychosomatischen Beschwerden (Herz, Magen-Darm-Trakt) angewandt. Die
Wirksamkeitsnachweise sind noch unbefriedigend.
Lavendl wirkt schwach beruhigend. Die
Wirksamkeit ist noch wenig erforscht.
Orangenblüten werden zwar in der Volksmedizin als
Beruhigungsmittel eingesetzt, eine wissenschaftliche Bestätigung der Wirkung
liegt jedoch nicht vor.
Passionsblumenkraut wird gegen nervöse Unruhe,
psychosomatische Störungen, Einschlafschwierigkeiten und Angst eingesetzt. Die
Wirkung ist nicht erwiesen.
Johanniskraut, Kava-Kava und Baldrian stellen für den Bereich der Angststörungen die
wichtigsten und am besten überprüften pflanzlichen Mittel dar und sollen daher
im Folgenden ausführlich beschrieben werden.
Johanniskraut-Präparate
gegen Depressionen und Angstzustände
Johanniskraut wurde bereits in der Antike und im
Mittelalter äußerlich als Wundheilmittel eingesetzt. Die Gattung Hypericum L. kommt auf der ganzen Welt vor und umfasst 378
Arten. Die Stammpflanze für Johanniskraut-Extrakte ist die Art Hypericum perforatum L. Das
offizielle Johanniskraut wächst in Europa, Asien, Nord- und Südamerika als weit
verbreitete Wildpflanze. Das Kraut zur Drogenbereitung stammt teilweise aus
kontrolliertem Anbau.
Die krautige Pflanze
wird etwa 60 cm hoch und besitzt fünfstrahlige gelbe Blüten mit zahlreichen
langen Staubblättern und durchscheinend punktierten Blättern, die in den Drüsen
ätherische Öle enthalten („perforatum“ bezieht sich
auf die „durchlöcherten“ Blätter). Die Inhaltsstoffe des Extrakts stammen
vorwiegend aus den Knospen, Blüten und Zweigspitzen. Die maximale Ausbeutung an
wichtigen Inhaltsstoffen geschieht durch Extraktion der Droge mit wässrigem
Methanol.
Johanniskraut (Hypericum perforatum) hat (allerdings erst nach 2-3 Wochen und
über einen längeren Zeitraum angewandt) eine stimmungsaufhellende,
stimmungsstabilisierende und antriebssteigernde
Wirkung und ist laut neuesten Studien in der Behandlung leichter bis
mittelschwerer Depressionen vergleichbar der Wirkung von milden Antidepressiva.
Der Einsatz erfolgt auch bei angst-, unruhe- und stressbedingter
Übererregbarkeit, psychovegetativen Störungen, Schlafstörungen, Menstruations-
und Wechselbeschwerden. Als neueste Indikation zeichnet sich der Einsatz bei
saisonal abhängigen Depressionen und bei chronischen Spannungskopfschmerzen ab.
Johanniskraut macht nicht müde, kann
aber durch seine entspannende und ausgleichende Wirkung auf das körperliche und
seelische Empfinden die Nachtruhe verbessern. Hypericin,
die Hauptwirksubstanz in Johanniskraut-Präparaten, aktiviert in der Zirbeldrüse
die Bildung von Melatonin, das Hormone ausschüttet,
die beruhigend auf die Schlafzentren im Gehirn wirken. Stress dagegen
verhindert in der Zirbeldrüse die Bildung des Schlafhormons Melatonin.
Von über 3000 Patienten mit
Schlaflosigkeit konnte laut Studien des Schlafforschers Woelk
nach vierwöchiger Johanniskraut-Einnahme jeder zweite Patient wieder
durchschlafen. Johanniskraut verlängert die Tiefschlafphasen und lässt die REM-Schlafphasen unverändert, was einen erholsamen und
gesunden Schlaf bewirkt.
Nebenwirkungen sind nicht häufiger als unter
Placebo anzutreffen. Am ehesten sind gastrointestinale Beschwerden sowie eine
Photosensibilisierung (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) möglich. Eine
leicht erhöhte Photosensibilisierung wurde nur bei Menschen mit
lichtempfindlicher Haut beobachtet. Allergische Hautreaktionen ergaben sich nur
in Tierstudien mit sehr hohen Johanniskrautdosen. Bei einer Tagesdosis bis zu
1800 mg Gesamtextrakt wurde bei Menschen noch keine erhöhte
Lichtempfindlichkeit (Pigmentierung der Haut) festgestellt. Eine neuere und
umfangreiche Studie an Menschen fand keine erhöhte Photosensibilisierung bei
behandlungsrelevanten Dosen. Es bestehen keine Wechselwirkungen mit anderen
Medikamenten, auch nicht mit Alkohol.
Johanniskraut-Präparate werden zwar
von vielen Ärzten noch immer als „Edel-Placebos“ abqualifiziert, stellen jedoch
mittlerweile die in der BRD am häufigsten verschriebenen Antidepressiva dar
(ein Viertel der verordneten Antidepressiva).
Die pharmakologischen Effekte von Hypericum-Extrakten sind wissenschaftlich einwandfrei
nachgewiesen. Das empfehlenswerte Buch „Rationale Phytotherapie. Ein Ratgeber
für die ärztliche Praxis“ von Schulz und Hänsel bietet eine beeindruckende
Darstellung von Johanniskraut als Antidepressivum.
Johanniskraut-Präparate scheinen
auch bei Angststörungen wirksam zu sein, fundierte Studien dazu fehlen jedoch
noch. Durch die häufige Komorbidität von Depressionen und Angststörungen ist
schon aus diesem Grund mit einer Besserung zu rechnen.
Die Wirkung der Johanniskraut-Extrakte beruht –
ähnlich wie bei synthetischen Antidepressiva – auf einer Modulation der
zentralen Neurotransmission, wobei das serotonerge
und das noradrenerge System im Mittelpunkt stehen.
Bei ausreichend hohem Hyperforin-Gehalt führt
Johanniskraut zu einer Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin, Noradrenalin
und Dopamin.
Die Substanzwirkung beruht nicht auf
einer Hemmung der Enzyme MAO-A und MAO-B (Hemmung des Abbaus der
Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin), da Johanniskraut nur ein
schwacher MAO-A- und MAO-B-Hemmer ist. Vielmehr hemmt
Johanniskraut die Wiederaufnahme von Noradrenalin, Serotonin, Dopamin und GABA in die präsynaptische
Nervenendigung, was in dieser Form kein Antidepressivum vermag. Gleichzeitig
wird die Dichte von Beta-Rezeptoren im frontalen Kortex reduziert, während (im
Gegensatz zu synthetischen Antidepressiva) die Zahl der Serotoninrezeptoren
(5-HT1 und 5-HT2) im frontalen Kortex erhöht wird. Welche
Substanzen für den antidepressiven Effekt von Hypericum
verantwortlich sind, wird noch untersucht. Johanniskraut erhöht im Tierversuch
nicht die Serotoninrezeptoraffinität, wohl aber die Serotoninrezeptordichte im frontalen Kortex. Demnach ist die
Verbesserung der serotonergen Funktion durch die
erhöhte Serotoninrezeptordichte bedingt.
Die pharmakologische Ähnlichkeit mit
dem Wirkmechanismus der synthetischen Antidepressiva ist der Grund dafür, dass
Johanniskraut-Präparate ebenso wie trizyklische Antidepressiva
und SSRI 2-3 Wochen bis zur vollen klinischen Wirksamkeit brauchen, obwohl der
maximale Blutplasmaspiegel bereits nach 7-10 Tagen
erreicht wird. Dies weist auf zugrunde liegende Veränderungen der Serotoninrezeptoren hin.
Die Effekte der einzelnen
Inhaltsstoffe begründen die beruhigende Wirkung von Johanniskraut als
Gesamtarzneistoff:
l Naphthodiantrone: z.B. Hypericin, Pseudohypericin, Protohypericin;
l Phloroglucinderivate: Hyperforin,
Adhyperforin;
l Flavon- und Flavonolderivate: z.B. Quercitinglycoside,
Biflavonoide;
l Xantone.
Die rot gefärbten Hypericine
stellen ein Gemisch von mehreren Naphthodianthronen
dar, die photosensibilisierend wirken. Die
photodynamischen Effekte dürften Wirkungen im Sinne der Lichttherapie ausüben. Hypericin bewirkt im Gehirn auch einen Anstieg des Neurotransmitters Dopamin. Flavonoide hemmen die Monoaminooxidase
(MAO), Biflavonoide binden an den Diazepam-Rezeptor
(wo Valium® einwirkt), Hyperforin
ist chemisch verwandt mit den sedierend wirkenden
Hopfenbitterstoffen und hat eine antibakterielle Wirkung. Es wurden auch
geringe Mengen an GABA gefunden.
Für einige Flavonoide
(Hyperosid und Isoquercitin)
und für das Biflavon Biapigenin
konnten antidepressive Effekte im Sinne einer Verkürzung der passiven
Immobilitätszeit nachgewiesen werden.
Früher wurde angenommen, dass die
therapeutische Wirkung des Johanniskrauts allein auf der Substanz Hypericin beruht, sodass immer der Hypericin-Wert
angeführt wurde. Seit einiger Zeit weiß man, dass auch andere enthaltene
Substanzen therapeutisch wirksam sind, weshalb man dazu übergegangen ist, die
Gesamtmenge des Johanniskraut-Extrakts in mg als Standardmaß anzuführen. Neben
anderen Inhaltsstoffen wird vor allem Hyperforin als
einer der wichtigsten angesehen.
Hyperforin hat nach Müller folgendes
Wirkungsspektrum:
l Breite
Wiederaufnahme-Hemmung (5-HT, DA, NA, GABA, L-Glutamat)
l Erhöhung
der extraneuronalen Konzentration von 5-HAT, DA, NA, L-Glutamat in
Mikroanalyse-Experimenten
l Beta-Down-Regulation,
5HT2- und 5HT1A-Up-Regulation
l Wirkung
im Porsolt-Test, im Test der erlernten Hilflosigkeit
l Effekte
auf intrazelluläre NA+- und H+-Konzentrationen
l Hemmung
von Ca2+-Kanälen vom P-Typ (Kalmodulin-abhängig)
l Spezifischer
Effekt auf Membraneigenschaften
l Wirkungsbestimmend in Depressionsmodellen, in Angst-
und in Modellen für Lernen und Gedächtnis.
In einer Beilage der Fachzeitschrift
„Nervenarzt“ vom Februar 1997 heißt es:
„Unter den verschiedenen
Johanniskraut-Präparaten nimmt der Hypericum-Extract
LI 160 (Jarsin® 300) eine besondere
Stellung ein: Er ist der am besten untersuchte Johanniskraut-Extrakt. Sein
standardisierter hoher Hypericingehalt gewährleistet
einen gleichbleibenden therapeutischen Effekt.“
Die Wirksamkeit von Johanniskraut-Präparaten
bei leichten und mittelschweren Depressionen ist in Vergleichsuntersuchungen
mit trizyklischen Antidepressiva bzw. SSRI (z.B. Sertralin, Fluoxetin) eindeutig
als gleich gut nachgewiesen.
Von den bis zum Jahr 2000
vorliegenden insgesamt 12 placebokontrollierten
Johanniskraut-Studien (7 davon mit Jarsin®
300) bei leicht bis mittelschwer depressiven ambulanten Patienten belegt der
Großteil die Wirksamkeit des pflanzlichen Mittels.
Bei 5 Studien, die Gruppenvergleiche
mit anderen Antidepressiva (Imipramin, Maprotilin, Amitriptylin und Fluoxetin) herstellten, erwies sich das pflanzliche
Präparat als mindestens gleichwertig und in keinem Fall signifikant unterlegen.
Insgesamt gibt es 25 kontrollierte Johanniskraut-Studien mit 1592 Patienten,
zumeist durchgeführt mit Jarsin® 300. Die
Mehrzahl der Studien umfasste ambulante Patienten mit leichteren Depressionen.
Vergleichsstudien zwischen Hypericum-Extrakten und
SSRI fehlen noch.
Die Wirksamkeitsstudien zeigen auf, „dass bei
einer Tagesdosis eines auf 0,3% Gesamthypericin
eingestellten Johanniskraut-Extrakts eine ähnliche therapeutische Wirksamkeit
zu erwarten ist wie mit modernen synthetischen Antidepressiva“.
1997 wurde die erste Studie
veröffentlicht, die den Effekt von Johanniskraut bei Menschen mit einer schweren
depressiven Episode überprüfte. Über einen Zeitraum von 6 Wochen erhielten im
Rahmen dieser deutschen Multicenter-Studie (20 Zentren) 107 schwer Depressive
3-mal 600 mg Johanniskraut-Extrakt LI 160 (Jarsin®
300) täglich (d.h. 3-mal 2 Tabletten pro Tag) und 102 schwer Depressive 3-mal
50 mg Imipramin (Tofranil®)
täglich. 38 der Patienten wurden stationär, 171 ambulant von Psychiatern
behandelt. Am Ende der Studie zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in
den Besserungsraten der beiden Behandlungsgruppen. Die Nebenwirkungen waren
beim pflanzlichen Antidepressivum trotz der hohen Dosierung von 1800 mg pro Tag
deutlich geringer als beim synthetischen Mittel. Die bisherige Auffassung, dass
Jarsin® 300 nur bei leichten und
mittelschweren Depressionen wirksam sei, wurde damit widerlegt.
Diese Untersuchung weist darauf hin,
dass bei deutlich depressiver Symptomatik, wie sie auch bei vielen Menschen mit
Angststörungen vorkommt, eine höhere Johanniskraut-Dosierung erforderlich ist,
als in der Vergangenheit angenommen wurde (morgens, mittags und abends
mindestens ein, eher sogar zwei Dragées Jarsin®
300).
Aufgrund der Forschungsergebnisse
ist vor allem das Präparat Jarsin® 300 zu
empfehlen, das in Deutschland am häufigsten eingenommene pflanzliche
Antidepressivum. Eine Tablette enthält 300 mg Johanniskraut-Trockenextrakt,
standardisiert auf 900 µg Gesamthypericin.
3-mal täglich sollte ein Dragee 300 mg unzerkaut zu den Mahlzeiten eingenommen
werden. Hohe Dosen sind wirksamer als niedrigere. Die Mindestdosis sollte 900
mg, die Höchstdosis 1800 mg Gesamtextrakt betragen. Bis zu diesem Wert ist die
Nebenwirkungsrate unbedenklich. Es gibt seit einiger Zeit auch Jarsin®-Tabletten mit 450 bzw. 750 mg
Johanniskraut-Trockenextrakt.
Eine neuere Studie (die bislang
umfangreichste Untersuchung an 324 Patienten) belegte die Wirksamkeit des
Johanniskrautextrakts ZE 117 (2-mal 250 mg) bei Menschen mit einer leichten und
mittelschweren depressiven Episode.
Die erste dreiarmige, randomisierte, doppelverblindete
und kontrolliert multizentrische Studie mit der Substanz STEI 300 (Aristo® 350) an 251 Hausarztpatienten mit
mittelschwerer Depression bestätigte die Wirksamkeit von Johanniskraut
eindrucksvoll.
Eine große multizentrische Anwendungsbeobachtung an über 11000 Patienten mit leichten
bis mittelschweren Depressionen, die einmal täglich mit Laif®
600 behandelt wurden, dokumentierte ebenfalls die gute Wirksamkeit des
Präparats.
In einer Praxisforschungsstudie mit
über 2100 Patienten erwies sich Neuroplant 600 mg/Tag
als effektiv in der ambulanten Behandlung leichter Depressionen. Bei
mittelschweren Depressionen sollten zwei Tabletten eingenommen werden.
Bei stärkerer Angst kann eine
Kombination von Johanniskraut mit Kava-Kava oder
Baldrian nützlich sein. Wegen der höheren Extraktmenge sind Monopräparate und
nicht Kombinationspräparate zu empfehlen. Bei Bedarf kann auch ein
synthetisches Antidepressivum zusätzlich eingenommen werden. Bei einer
leichteren Depression ist ein langsamer (ausschleichender)
Umstieg vom synthetischen auf das pflanzliche Mittel möglich, dies jedoch
vorher mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Führende Experten aus dem Bereich
der Psychopharmakotherapie befürworten den Einsatz
von Johanniskraut-Extrakten zur Behandlung leichter und mittelschwerer
Depressionen. Der Wiener Psychiatrieprofessor Kasper erklärte in einem
Interview in einer Beilage der Zeitschrift „Nervenarzt“:
„Bei leichter und
mittelschwerer Depression kommen auch pflanzliche Präparate, vor allem
Johanniskraut, in Frage. Ich versuche immer, den Patienten als Ganzes zu sehen.
Menschen, die pflanzliche Arzneimittel bevorzugen sowie Patienten, die sensibel
auf Medikamente reagieren, behandle ich bevorzugt mit Hypericum-Extrakt...
Wichtig ist die richtige Dosierung – 900 mg/d Hypericum-Extrakt ist die Mindestdosis – sowie die Kontrolle des
Therapieerfolgs. Nach drei Wochen sollte sich ein befriedigender Effekt
eingestellt haben. Ist das nicht der Fall, muß man
auf ein synthetisches Antidepressivum umsetzen.“
In den letzten Jahren wurde erkannt, dass es
zwischen Johanniskraut-Präparaten und anderen Substanzen, die durch Cytochrom P450 metabolisiert
werden, zu Wechselwirkungen kommen
kann, wodurch der Plasmaspiegel anderer Medikamente
erniedrigt werden kann. Vor allem wurde Frauen Angst gemacht, dass die
Empfängnisverhütungspille nicht mehr ausreichend verlässlich wirken würde.
In Verbindung mit SSRI kann ein Serotoninsyndrom mit unangenehmen Symptomen auftreten. Es
sollte daher sicherheitshalber ein Abstand von zwei Wochen zwischen der Einnahme
von Johanniskraut und Antidepressiva (Trizyklika und
SSRI) eingehalten werden. Vor der Anwendung von Johanniskraut-Präparaten
sollten bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente Ärzte oder Apotheker
konsultiert werden.
Es sollte nur ein bekanntes und
überprüftes Johanneskrautextrakt eingenommen werden, und zwar 900 mg/Tag bei
einer leichten Depression und bis zu 1800 mg/Tag bei einer mittelschweren
Depression. Die Zahl der einzunehmenden Tabletten pro Tag hängt von der
Extraktmenge ab (Überblick unter www.rote-liste.de).
Ausgewählte
Johanniskraut-Präparate mit mindestens 300 mg Extrakt
| Präparat | Gesamtextrakt in mg |
| Jarsin® 300/450/750 | 300/450/750 |
| Neuroplant® 1´1 600 | 600 |
| Laif® 600 | 612 |
| Felis® 425/650 | 425/650 |
| Johanicum® 425 | 425 |
| Helarium® 425 | 425 |
| Cesran® 425 | 425 |
| JOHANNISKRAUT ® ratiopharm | 425 |
| Viviplus® 425 | 425 |
| Turineurin® 425 | 425 |
| Kytta® Modal | 425 |
| Hyperimerck® 425 | 425 |
| Aristo® 350 | 350 |
| Psychotonin® 300 | 306 |
| Kira® 300 | 300 |
Kava-Kava-Präparate gegen
Angstzustände
Achtung:
In Deutschland sind alle Kava-Kava-Präparate seit Sommer 2002 verboten, weil in
Einzelfällen schwere Leberschäden aufgetreten sind.
| | http://www.focus.de/G/GN/gn.htm?snr=107157&streamsnr=121 18.06.02 Das Aus für Kava-Kava D as Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Zulassungen Kava-Kava-haltiger |
Kava-Kava ist ein 2-3 Meter hohes
Pfeffergewächs (Rauschpfeffer: Piper methysticum) auf
den Südseeinseln. Der bis zu 10 kg schwere Wurzelstock hat eine beruhigende, muskelentspannende, Angst lösende und antriebssteigernde
antidepressive Wirkung. Die Eingeborenen verwenden den getrockneten Wurzelstock
als wohltuende Droge (zerkaut oder zerrieben und mit kaltem Wasser versetzt und
geseiht).
Die Wirkung des Trunks beruht auf
den Kava-Pyronen. Pyrone sind sauerstoffhaltige, ringförmige chemische
Verbindungen, die im Kava-Kava-Wurzelstock enthalten
sind. Es handelt sich um sechs verschiedene Substanzen, die in Tierversuchen
unterschiedliche Wirkungen aufwiesen. Kava-Pyrone
sind kaum in Wasser löslich, was erklärt, warum es so lange gedauert hat, ihre
Wirksamkeit nachzuweisen.
Die Substanz Kavain
kann synthetisch hergestellt werden. Als Phytopharmaka
gelten jedoch nur Extrakte aus der Kava-Pflanze. Kava-Präparate werden entweder mit Ethanol/Wasser (Extrakte
mit etwa 30% Kava-Pyronen) oder mit Aceton/Wasser
(Extrakte mit ca. 70% Kava-Laktonen) extrahiert. Das
Droge-Extrakt-Verhältnis beträgt in beiden Fällen etwa 12-20:1. Die Plasmahalbwertszeit der Kava-Pyrone
liegt zwischen 90 Minuten und einigen Stunden. Die Tagesdosis sollte 120 mg Kava-Pyrone enthalten.
Bei Kava-Kava
sind die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe bekannt:
„Es handelt sich dabei um die Kavapyrone, darunter Kavain (1-2%
in der Droge), Dihydrokavain (0,6-1%), Methysticin
(1,2-2%) und Dihydromethysticin (0,5-0,8%). Der
Gesamtgehalt der Droge soll mindestens 3,5% Kavapyrone
betragen, berechnet als Kavain...
Die 4 Pyrone vom Kavain-Methysticin-Typ
wirken zentral muskelrelaxierend und antikonvulsiv; ... Die Erregbarkeit des limbischen Systems
... wird durch die Kavaine und Methysticine
verringert, analog zu den Befunden bei Benzodiazepin-Gabe.“
Kava-Kava-Präparate sind wirksam bei Angstzuständen,
Nervosität, Unruhe, depressiver Stimmung, Schlafstörungen, Muskelverspannungen
und psychovegetativen Beschwerden. Kava-Kava-Präparate
wirken ähnlich wie Tranquilizer beruhigend auf das limbische System ein. Kava-Pyrone zeigen keine Interaktion mit GABA-Rezeptoren.
Trotz einer gewissen Ähnlichkeit des
pharmakologischen Wirkprofils mit GABA-Rezeptoragonisten
handelt es sich bei den Kava-Pyronen um keine
natürlichen Benzodiazepine. Es besteht kein
Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotential.
Zwei neurophysiologische Studien belegten
im Vergleich zu Bromazepam und Placebo die
Leistungszunahme im Alpha- und Beta1-Bereich, was als
elektrophysiologischer Parameter für eine entspannende und anxiolytische
Wirkung zu verstehen ist.
Volz und Kieser
veröffentlichten 1997 die erste placebokontrollierte
Langzeitstudie über die Wirksamkeit und Sicherheit des Kava-Kava-Extrakts
WS 1490 (Präparat Laitan® 100) in der
Behandlung von Angststörungen. Patienten mit Agoraphobie, spezifischer Phobie,
generalisierter Angststörung und Anpassungsstörung mit Angst aus 10
Allgemeinarztpraxen wurden über einen Zeitraum von 25 Wochen behandelt, wobei
36 Patienten ein Placebo erhielten und 37 Patienten das Präparat WS 1490 (3-mal
eine Tablette pro Tag, d.h. täglich 300 mg Kava-Extrakt
entsprechend 210 mg Kava-Laktone). Nach 8 Wochen
zeigte sich die Wirksamkeit des Kava-Kava-Extrakts,
d.h. die Überlegenheit gegenüber dem Placebopräparat. Die anfängliche
Verbesserung nach 8 Wochen hielt nicht nur an, sondern steigerte sich noch im
Langzeitverlauf, objektiviert durch standardisierte Messinstrumente (deutliche
Reduktion der Angst und der psychovegetativen Beschwerden sowie Verbesserung der Stimmung).
Die meisten Patienten wiesen zwei
oder drei Angststörungen gleichzeitig auf. Diese Studie kann daher nur als Nachweis
zur Reduktion des allgemeinen Angstniveaus dienen, ohne spezifische Effekte für
bestimmte Angststörungen aufzeigen zu können. Es bestand eine sehr gute
Verträglichkeit der Substanz, wesentliche Nebenwirkungen traten nicht auf. Beim
Absetzen nach 25 Wochen zeigten sich keine Entzugssymptome.
Das Präparat Laitan® 100 besteht aus 90-110 mg Trockenextrakt aus Kava-Kava-Wurzelstock (11-20 : 1),
entsprechend 70 mg Kava-Lactone (Auszugsmittel:
Aceton-Wasser). Die im Wurzelstock vorhandenen ca. 5% wirksamkeitsbestimmenden Kava-Lactone wurden im Kava-Spezialextrakt
WS 1490 auf 70% angereichert.
Dieser Extrakt hat nur wenig
gemeinsam mit dem Kava-Kava-Getränk in Polynesien. Es
weist einen 10fach höheren Kava-Pyronen-Anteil auf
und ist frei von bestimmten unerwünschten Inhalten des Kava-Kava-Wurzelstocks.
Laitan® 100 war zumindest bis zum Bekanntwerden
möglicher gefährlichen Nebenwirkungen von Kava-Kava
Angstpatienten sehr zu empfehlen. Bisher mindestens 4 placebokontrollierte
Doppelblindstudien bestätigten die Wirksamkeit. Man sollte 3-mal täglich 1
Kapsel (entsprechend 3-mal täglich 70 mg Kava-Lactone)
unzerkaut schlucken. Die Einnahme erfolgt morgens, mittags und abends und kann
unabhängig von den Mahlzeiten geschehen. Die Wirkung setzt nicht sofort, sondern
langsam ein, mit einem Wirkmaximum nach etwa 10 Tagen. Die Einnahme ohne
fachliche Beratung sollte in der Regel nicht länger als 3 Monate dauern. Laitan® 100 stellt als Phytotranquilizer
eine wirksame Alternative zu Benzodiazepinen und Antidepressiva dar.
In einer umfangreichen
Doppelblindstudie über 6 Wochen wurde die Tagesdosis von 210 mg Kava-Pyronen (3-mal täglich 1 Tablette Laitan®
100) mit der täglichen Wirkung von 15 mg Oxazepam
(Adumbran®, Praxiten®) bzw. 9
mg Bromazepam (Lexotanil®) verglichen. Dabei
ergaben sich keine unterschiedlichen Besserungsraten in den drei
Behandlungsgruppen. Die pflanzliche Substanz erzielte eine ähnliche Wirkung wie
die synthetischen Mitteln, ohne deren Nebenwirkungen zu haben.
In früheren Studien mit dem Kava-Extrakt WS 1490 wurde nachgewiesen, dass es im
Vergleich zu Oxazepam (Praxiten®) die
geistige Leistungsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit, die geistige Wachsamkeit
und die Wiedererkennungsrate bei verschiedenen
Testbatterien verbessert. Kava-Kava fördert trotz der
beruhigenden Wirkung das Denken und Handeln sowie die Aufmerksamkeit,
Konzentration und Gedächtnisleistung. Die Substanz wirkt Angst lösend, ohne
dämpfend zu sein. Bei depressiven Patienten wurde eine gehobene Stimmung („seelische
Aufhellung“) beobachtet.
Leistungssportler erlebten nach
längerer Einnahme eines Kava-Präparats eine
Leistungssteigerung im Laufen, Springen oder Werfen, weil die Überspannung und
Überreiztheit vermindert und die Konzentration und Aufmerksamkeit verbessert
wurde.
Von der Kava-Pyronen-Dosis
her sind neben Laitan® 100 die Präparate Maoni® forte 120 mg und Antares®
120 besonders zu empfehlen (jeweils 120 mg Kava-Pyrone).
Die Einnahme von 1 Filmtablette Maoni®
forte 120 mg/Tag nach dem Essen ist ausreichend. Maoni®
forte 120 mg enthält 171-252 mg Kava-Kava-Trockenextrakt
(13-20:1).
Mit dem 120 mg hoch dosiertem Kava-Kava-Extrakt LI 150 (Maoni®
forte 120 mg) wurde die anxiolytische Wirkung an 127 Patienten mit
generalisierten Angststörung belegt. Das Mittel war in dieser bislang fundiertesten und bedeutsamsten referenzkontrollierten,
doppelblinden, randomisierten und multizentrischen
Studie nach acht Wochen ebenso gut Angst lösend wie 10 mg Buspiron
und 100 mg Opipramol. Das Präparat stellt daher eine
gleich gut wirksame Alternative zu Buspiron und Opipramol dar.
Mögliche Nebenwirkungen sind leichte Magen-Darm-Beschwerden
(Übelkeit), bei längerer Einnahme bestimmte Hautüberempfindlichkeitsreaktionen
(Hautrötung, Schwellung, Juckreiz). In den letzten Jahren wurden bei Überdosierung
in einzelnen Fällen schwere Leberschäden bekannt (bei vorbestehendem
Leberschaden sollte das Mittel daher nicht eingenommen werden).
Das Reaktionsvermögen bei der Arbeit
oder im Straßenverkehr wird nicht beeinträchtigt. Bei gleichzeitiger Einnahme
von Alkohol und zentral wirkenden Substanzen wie Tranquilizern und anderen
Psychopharmaka ist jedoch eine Wirkungsverstärkung möglich, sodass Vorsicht
angebracht ist.
Ausgewählte Kava-Kava-Präparate
mit mindestens 50 mg Kava-Pyrone
| Präparat | Gesamtextrakt in mg | Kava-Pyrone in mg |
| Antares® 120 | 180-288 | 120 |
| Laitan® 100 | 90-110 | 70 |
| Maoni® forte 120 mg | 171-252 | 120 |
| Kavatino® | 80-150 | 60 |
| Ardeydystin® forte | 75-120 | 50 |
| Kavasedon® | 67-125 | 50 |
| Kavosporal® forte | 150 | 50 |
Baldrian-Präparate
gegen Schlafstörungen
Der europäische
Baldrian (Valeriana officinalis
L.) ist eine von rund 250 in der Welt vorkommenden Baldrian-Arten. Die bekanntesten
anderen Arten sind der indische und insbesondere der mexikanische Baldrian. Der
europäische Baldrian wirkt bei Unruhezuständen und Schlafstörungen, der
mexikanische oder indische Baldrian allenfalls bei Unruhezuständen, nicht
jedoch bei Schlafstörungen (fehlende zentrale Wirkungen). Baldrian-Präparate
dienen als Tagestranquilizer zur allgemeinen
Beruhigung sowie als natürliche Schlafhilfen zur Erleichterung des
Einschlafens.
Baldrian bewirkt nach neueren
Studien eine erhöhte GABA-Konzentration im synaptischen Spalt durch eine erhöhte GABA-Ausschüttung
und eine gleichzeitige Hemmung der Wiederaufnahme, was Angst und Anspannung
dämpft. Baldrian beeinflusst den GABAA-Benzodiazepinrezeptor-Komplex,
was die seit langem bekannten sedativen und schlaffördernden Effekte erklärt.
Baldrian enthält über 100
Bestandteile. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind unbekannt. Hauptinhaltsstoffe
der europäischen Baldrianwurzel sind: ätherisches Öl, Valerensäuren
und Valepotriate. Die Valerensäure
wirkt spasmolytisch, muskelentspannend und dämpfend.
Die Valerensäure und verwandte Sesquiterpene
hemmen den Abbau der GABA. Wässrige Drogenauszüge hemmen den Transport von GABA
in die Synaptosomen. In einer Tablette sollten 30-50
mg Valepotriate vorhanden sein.
Als Nebenwirkungen
können sehr selten Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. Hang-over-Phänomene
am Morgen, Überdosierungseffekte oder Abhängigkeitserscheinungen
sind unbekannt. Baldrian macht selbst in hohen Dosen nicht müde, sondern
lindert Angst und die damit verbundenen körperlichen Begleiterscheinungen,
sodass ein Aufschaukeln verhindert wird. Die sedativ-hypnotischen Wirkungen von
Baldrian werden durch Hopfen verstärkt, weshalb Kombinationspräparate den
Monopräparaten in der Wirksamkeit überlegen sind.
Verschiedene Schlaflaborstudien
haben die Wirksamkeit von Baldrian-Mono- und
Baldrian-Kombinationspräparaten im Vergleich zu Benzodiazepinschlafmitteln
nachgewiesen. Baldrian-Präparate haben keine sofortige Schlafwirkung, was
insbesondere von Menschen beachtet werden sollte, die eine rasche Wirkung wie
bei Benzodiazepin-schlafmitteln erwarten.
Besserungen, vor allem auch bei der Tagesbefindlichkeit, ergeben sich erst nach
2-4 Wochen.
Baldrian fördert die natürliche
Schlafbereitschaft, Benzodiazepinschlafmittel
erzwingen dagegen einen unnatürlichen und ungesunden Schlaf. Schlaffördernd wirkt erst die Einnahme von 400-600 mg ethanolischem Baldrian-Extrakt 2 Stunden vor dem
Zubettgehen. Dies erfordert die Einnahme von 2-3 Tabletten eines extraktreichen
Baldrian-Mono-Präparats (z.B. Sedonium®
mit 300 mg) oder eines Baldrian-Hopfen-Präparats (z.B. Hova®,
Ivel®, Euvegal® N).
Eine neuere Studie mit 600 mg
Baldrianextrakt (Sedonium®), täglich über
einen Zeitraum von 4 Wochen eingenommen, bestätigte die Wirksamkeit von
Baldrian bei leichten bis mittelschweren nicht organischen Schlafstörungen.
Das Baldrian-Hopfen-Präparat Hova® (Österreich) bzw. Hovaletten®
N (Deutschland) ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Es enthält 200,2 mg
Trockenextrakt aus der europäischen Baldrianwurzel und 45,5 mg Trockenextrakt
aus Hopfenzapfen. Das Präparat hat einen beruhigenden, muskelentspannenden
und krampflösenden Effekt und führt zu keiner Beeinträchtigung am nächsten Tag.
Das Mittel ist wirksam bei nervös bedingten Ein- und Durchschlafstörungen,
Unruhe, Nervosität und Angstzuständen. Bei Schlafstörungen sollten 2 Tabletten
eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen werden, bei Unruhe,
Nervosität und Angstzuständen 1-3 Tabletten pro Tag.
Angstpatienten mit Schlafstörungen
sollten neben Laitan® 100 bzw. Jarsin® 300 bzw. 450 ein extraktreiches
Baldrian-Monopräparat oder ein Baldrian-Hopfen-Präparat einnehmen.
Schlafstörungen können bei Angstpatienten leicht Erschöpfungserscheinungen
bewirken, die die nötige Energie zur Angstbewältigung vermindern.
Dieser Text stammt aus dem Buch „Angststörungen“.

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